Employer Branding: Experteninterview über die Arbeitgeberattraktivität durch Social Media

Social Media Employer Branding

 

Social Media Kanäle werden immer wichtiger für Arbeitgeber. Nicht nur, dass Personaler gerne auf Business Netzwerken wie Xing oder LinkedIn nach High Potentials suchen oder die Online Reputation der Bewerber über deren Social Media Profile prüfen. Das Ganze funktioniert auch anders herum. Viele Bewerber schauen sich auch die Social Media Präsenzen des potentiellen Arbeitsgebers an. Je größer der Fachkräftemangel, desto attraktiver müssen Unternehmen werden. Und diese Arbeitgeberattraktivität sollten sie auch öffentlich demonstrieren. Wie in einem Schaufenster können sich Unternehmen auf Facebook, YouTube und Co. von ihrer besten Seite präsentieren.

Die Studie "Bewerbungspraxis 2012" der Universitäten Bamberg und Frankfurt am Main zusammen mit monster.de belegt die Bedeutung von aktiver Social Media Nutzung von Unternehmen für Bewerber. Fast 70 Prozent der Befragten gab an, dass sie es begrüßen, wenn Unternehmen über Xing und LinkedIn nach Kandidaten suchen. 33 Prozent finden es gut, wenn Unternehmen auf Facebook präsent sind. 16 Prozent schätzen regelmäßige Tweets von Unternehmen.

Employer Branding mit Social Media

Im ersten Teil unserer Experteninterview-Reihe mit Susan Schulz, Expertin für Human Resources und Social Recruiting, haben wir uns mit dem Thema Social Media Bewerbung beschäftigt. Heute wechseln wir die Seiten und erfahren im zweiten Teil des Experteninterviews mit Susan Schulz, wie Unternehmen Social Media Kanäle aktiv für ihr Employer Branding nutzen können.

consense communications: Frau Schulz - wie hoch ist nach Ihren Erfahrungen der Anteil der Bewerber, die über Social Media Plattformen von einer Stelle erfahren und sich bewerben?

Susan Schulz: Sehr hoch. Durchschnittlich liegt der Anteil bei 70 Prozent – Tendenz stark steigend. Bei jungen Bewerbern ist der Anteil natürlich deutlich höher. In Deutschland wird vor allem Xing sehr stark genutzt, international ist LinkedIn das meistgenutzte Business Netzwerk.

Wie wichtig ist es für Unternehmen, Social Media Kanäle für das Rekruting zu nutzen?

Unternehmen erkennen immer mehr, dass Social Media Plattformen ihnen nicht nur bei der Verbreitung von Stellenausschreiben helfen, sondern auch ein praktisches Tool für Direct Sourcing sind – also die aktive unternehmensseitige Ansprache von potentiellen neuen Mitarbeitern. Und aufgrund des Fachkräftemangels sind sie darauf auch immer stärker angewiesen. Unternehmen und Personaler dürfen Social Media Plattformen demnach nicht mehr nur stiefmütterlich behandeln, sondern müssen aktiv werden und möglichst viele Möglichkeiten für sich nutzen. Vollkommen ersetzen kann Social Media aber die herkömmlichen Kanäle nicht – sie sind eher eine Ergänzung im Marketing-Mix.

Wie wichtig ist es Bewerbern, dass ein Unternehmen auf Social Media Plattformen professionell agiert?

Generell ist es nicht so wichtig, „professionell“ zu erscheinen. Das Menschliche rückt immer weiter in den Vordergrund und damit auch kleine Fehler und Schwächen. Und das ist auch gut so – denn in einem perfekten Umfeld will niemand wirklich gerne arbeiten. Es soll "menscheln" und Spaß machen. Das müssen Unternehmen transportieren. Trotzdem ist es auch extrem wichtig, dass ein Unternehmen, wenn es sich entscheidet diesen Weg zu gehen, auch gewisse Mindeststandards einhält: Authentizität, Aktualität, Relevanz, Entertainment und vor allem Antwortzeiten und überhaupt Reaktionen auf Bewerber- oder Interessentenaktionen.

Welchen Einfluss haben Social Media Bewertungsportale wie beispielsweise kununu?

Wer sich über ein Unternehmen schlau machen möchte, landet häufig auch auf Bewertungsportalen. Und wer als Unternehmen hier mit vielen guten Bewertungen trumpfen kann, hat natürlich einen klaren Vorteil. Denn Bewerber wollen wissen, wie der Arbeitsalltag im Unternehmen aussieht, was auf ihn zukommt und wie der "Laden" so tickt.

Wir haben vorher vom "Schaufenster-Effekt" gesprochen. Ganz konkret: Wie können sich Unternehmen attraktiv auf Social Media Plattformen präsentieren? Was funktioniert und was nicht?

Das kommt auch immer ganz auf das Ziel des Unternehmens und die Plattform an. Wer Facebook in erster Linie für Employer Branding nutzen möchte, sollte den Blick hinter die Kulissen gewähren. Das können auch mal vermeintliche Nichtigkeiten sein wie beispielsweise ein gemeinsames Mittagessen. Wer nur prahlerisch von seinem Unternehmen schwärmt, wirkt unecht. Und das beißt sich mit einem der bereits erwähnten Grundprinzipien: Authentizität! Auch müssen sich Unternehmen im Klaren sein, dass sie den Schritt in die Öffentlichkeit auch verantwortungsbewusst weitergehen müssen. Das bedeutet: Relevante Inhalte und offene, schnelle Reaktionen. Ansonsten geht der Schuss auch mal nach hinten los. Xing ist im Vergleich zu Facebook eher seriös zu. Hier geht es mehr um Hard Facts wie zum Beispiel Auszeichnungen, Incentives für Mitarbeiter oder Urlaubstage.

Employer Branding mit Social Media - Interview mit Susan Schulz

Über Susan Schulz

Als Head of HR der Rocket Internet GmbH München verantwortet Susan Schulz die gesamte Bandbreite der operativen HR-Arbeit für das Unternehmen. Ihr Aufgabenbereich umfasst dabei nicht nur die deutsche Niederlassung sondern auch Mitarbeiter in den Tochtergesellschaften in Südostasien. Strategisch ist sie vor allem mit dem Aufbau der Arbeitgebermarke, Employee Engagement und der Strukturierung der HR-Prozesse befasst. Vor ihrem Wechsel zu Rocket Internet war Susan Schulz als HR-Manager verantwortlich für den personellen Aufbau der webguerillas GmbH in München. Hier lagen ihre Schwerpunkte vor allem in den Bereichen Compensation & Benefits, People Development, Social Media & Recruiting.

Artikel, die Sie auch interessieren könnten:

Kommentar schreiben