Social Media in US-Wahl(berichterstattung) 2010

Die Internetgemeinde wünscht sich

rechtspopulistischen Tea-Party-Bewegung

Visualisierung der Diskussion

Von Sebastian Kahl

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Barack Obama setzte mit seiner Präsidentschaftskampagne 2008 neue Maßstäbe. Sie war nicht nur die teuerste aller Zeiten, sondern setzte als erste zu großen Teilen auf Social Media. Am Dienstag wurde das gesamte Repräsentantenhaus und ein Drittel des Senats gewählt. Social Media spielte auch dieses Jahr wieder eine große Rolle. Im Wahlkampf setzten viele Politiker auf Twitter & Co. In der anschließenden Berichterstattung hieß der Trend Augmented Reality. Ein Überblick.

Twitter Follower Indikator für Wahlsieg?

Neben Senat und Repräsentantenhaus stand in 37 der 50 Staaten auch der Gouverneursposten zur Wahl. Wired.com untersuchte 34 der Duelle. Drei Staaten hatten zu diesem Zeitpunkt noch keinen Gewinner, konnten also nicht berücksichtigt werden. Wired fand heraus, dass 22 der Gewinner mehr Twitter Follower hatten als ihr Konkurrent. Das sind satte 65 Prozent der Sieger. Diese Zahlen alleine lassen freilich noch keinen Schluss zu, inwieweit Twitter und Social Media zum Wahlkampf taugen. Aber sie sind ein erster Indikator für ein bevorstehendes Wahlergebnis: Wer im Internet die Wähler hinter sich bringt, findet Gehör, muss aber auch überzeugen.

New York Times visualisiert Twitter-Diskussionen zur Wahl

Eine sehr schöne Visualisierung der Diskussion auf Twitter mit und rund um die Kandidaten, veröffentlichte vor Kurzem die New York Times. Die interaktive Anwendung zeigt alle Tweets, die in den Tagen vor der Wahl, in irgendeiner Weise Bewerber um Gouverneurs- und Senatsposten betrafen. Über den Verlauf von zwei Wochen sieht man die Diskussion um einzelne Kandidaten ansteigen und abebben. Aber auch das muss kein zwingender Anhaltspunkt für einen bevorstehenden Wahlsieg sein. Nehmen wir die Senatswahl im Staat Delaware als Beispiel. Die Kandidatin der Republikaner, Christine O'Donnell, erzeugte über den gesamten untersuchten Zeitraum den meisten Buzz im Social Media-Dienst Twitter, auf dem Screenshot unten rot eingefärbt. Das war jedoch eher auf ihre Beteiligung an der rechtspopulistischen Tea-Party-Bewegung zurückzuführen. Die Tweets waren häufig negativ, teils hasserfüllt. Über ihren Gegner in der Senatswahl Chris Coons (unten in blau) wurde praktisch nur am Wahltag getwittert. Dann nämlich, als absehbar war, dass er in den Senat einziehen würde.

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CNN setzt auf Augmented Reality

Als erster TV-Sender setzte CNN auf Augmented Reality im Zuge der Wahlberichterstattung, wie engadget.com berichtete. Im Video unten sieht man Moderator Ali Velshi mit seinem iPad im Studio, um ihn herum virtuelle Hochrechnungen und Umfrageergebnisse. Die Performance ist noch nicht ganz ausgereift, sieht eher nach Versteckspiel aus. Sie wirkt unfreiwillig komisch. Fortschritt um des Fortschritts Willen? Können Sie sich vorstellen, wie Klaus Kleber bei den nächsten Landtagswahlen im März 2011 durchs virtuelle Studio springt? Machen Sie sich selbst ein Bild uns teilen Sie uns Ihre Meinung mit!

 

Social Media-Wahlkampf kein Garant für Sieg

Viele Internetfreunde und Social Media-Diskussionen sind also noch kein Garant für einen Wahlsieg. Sie können jedoch hilfreich sein. Die junge Wählerschaft ist längst in Social Media unterwegs, informiert sich im Internet über Kandidaten und tauscht sich über Wahlkampfthemen aus. Es wäre also fahrlässig in diesen Zeiten den Wahlkampf im Internet zu vernachlässigen. Letztendlich aber ist es das Wahlprogramm und nicht der Verbreitungskanal, auf dem sie verbreitet wird, die Menschen anregen sollte, ihr Kreuz zu machen.

Auch Barack Obama ist noch in Social Media aktiv, wenn auch nicht immer persönlich. 2009 teilte er mit, er habe noch nie selbst getwittert. Nachvollziehbar, wie soll sich der mächtigste Mann der Welt um knapp sechs Millionen Follower kümmern? Twitter ist für ihn bloß Marketing. Die Internetgemeinde wünscht sich jedoch mehr Verständnis für ihr Medium. Politiker müssen sich über solche Fallstricke im Internet bewusst sein. Unbedachte Äußerungen können ihrer Online Reputation nachhaltig schaden.

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