Social Media Olympics: Wer holt Gold bei den Memen?

Social M edia Olympics

Etwas mehr als die Hälfte der olympischen Winterspiele in Sotschi ist rum. Und auch mehr als 50 Prozent der rund 100 Medaillen-Entscheidungen sind schon gefallen. Stets begleitet durch die Social Media Gemeinde. Auf Blogs, Twitter, Facebook, Tumblr & Co. messen Menschen aus aller Welt in einer völlig anderen olympischen Disziplin: Wer erstellt das beste Meme zu Sotschi 2014?

Social Media schließt den Ring

Genauso unentschieden wie die Nationenwertung insgesamt steht es nach zehn Tagen auch um die Medaillenvergabe für die besten Sotschi-Memes. Die meisten Teilnehmerländer haben ihre Pflicht erfüllt, in dieser Woche folgt dann die Kür. Vorgelegt hat etwa Russland gleich bei der Eröffnungsfeier, als sich der fünfte mechanische Olympia-Ring nicht öffnete. Ein Bild, dass zahlreiche Social Media Jünger zu Memen inspirierte. Einige der Kreativleistungen lassen Profis vor Neid erblassen, etwa wenn das Missgeschick zur Markenbotschaft für Audi umgedeutet wird ("When four Rings is all you need."). Dabei hatten die Techniker doch nur einen Job: aus fünf Schneeflocken die fünf olympischen Ringe entstehen zu lassen. Klar, dass überall in den sozialen Medien von Memebase über Twitter bis hin zu Tumblr darauf reagiert wird.

Social Media Gründerväter als Topfavoriten

Ein echter Goldfavorit in puncto Meme sind natürlich die USA. Als Geburtsort zahlreicher Social Networks gehört der Umgang mit den neuen Medien für viele US-Sportler zum Alltag. Besonders scheint das für Athleten mit Bezug zum Eiskanal zu gelten. Etwa für Bobfahrer Johnny Quinn, der sein jahrelanges Training nutzt, um die ein oder andere verschlossene Tür in Sotschi für sich zu öffnen. Rennrodlerin Kate Hanse entwickelt sich hingegen zur Danicing-Queen der russischen Spiele. Große Aufmerksamkeit konnten bisher auch andere Wintersportnationen wie Kanada für sich erringen. Die nördlichen Nachbarn der USA punkteten etwa mit innovativen Wegen in der Bierversorgung ihrer Athleten, einem klaren Statement zur Toleranz gegenüber Homosexuellen und komischen Hüten.

Medaillen top, Social Media flop?

Andere Länder wie Deutschland tun sich hingegen sichtlich schwer, ausreichend Punkte in der Meme-Wertung zu sammeln. Zwar bietet der DOSB allein mit seiner farbenfrohen Olympia-Kleidung genügend Ansatzpunkte für die Social Media Community. Doch gute Werte in der B-Note aufgrund der Schrillheit des Outfits sowie bislang 7 Goldmedaillien führen offensichtlich noch lange nicht zu einer gewinnträchtigen A-Note. Mehr als billige Ressentiments des Boulevards waren bisher noch nicht drin. Stattdessen beschäftigen die sozialen Netzwerke hierzulande vor allem eher alberne Trinkspiele wie die Biernominierung. User stellen Videos auf Facebook, die sie beim Exen eines halben Liter Bieres zeigen. Anschließend rufen sie Freunde zum Nachmachen auf. Angesichts des deutlichen Zurückgangs beim allgemeinen Konsum des Gerstensaftes vielleicht ein willkommener Impuls für die Brauereien. Doch in Bezug auf die olympische Meme-Wertung wenig hilfreich.

Social Media Knows Your Meme

Vielleicht besteht in Deutschland einfach noch Aufholbedarf, was Meme, ihre Verbreitung und Wirkung anbelangt. In der Theorie bezeichnen Meme einen Bewusstseinsinhalt, der durch Kommunikation weitergegeben und verbreitet wird. Social Media mit ihren schnellen und einfachen Verlinkungen und Embedded Content sind dafür prädestiniert. Internet-Meme zeichnet dabei noch aus, dass sie meist auf einer kollektiven Wahrnehmung und Einschätzung von Inhalten und Situationen beruhen. In einer atomisierten Welt, in denen sich viele Menschen vereinzelt fühlen, vermitteln sie eine Gemeinsamkeit mit anderen. Aufbauend etwa auf Stereotypen wie dem faulen Studenten oder der überanhänglichen Freundin ironisieren Memes dabei Situationen, die vielleicht nicht im eigenen Umfeld, doch aber von vielen anderen verstanden werden. Noch steckt die Meme-Forschung in den Anfängen. Einen sinnstiftenden Versuch zur Erklärung und Deutung haben aber beispielsweise Christian Heller und Nils Dagsson auf der re:publica 2013 unternommen.

Ihre Ergebnisse haben sie zudem auf der Seite http://internetmeme.de/ sowie im Buch »Internet-Meme – kurz & geek« zusammengetragen.

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