To blog or not to blog! A Question?

Fachmedien kämpfen gerade einen langsamen, aber wahrscheinlich tödlichen Kampf gegen das Internet. Blogs heißen die potentiellen Online-Nachfolger der Printmedien. Heribert Prantl prophezeite einst in der Süddeutschen Zeitung das Ende der Printmedien zwischen 2020 und 2050. Dann sollen Online-Publikationen komplett übernehmen. Blogs gibt es mittlerweile wie Sand am Meer. netz-reputation.de geht der Frage nach, ob Blogs wirklich eine Alternative zu den gedruckten Fachmagazinen werden können.

A (web-)star is born: Verschiebung der Publikationshoheit

Keiner kann den Siegeszug des Blogs aufhalten

Der Aufstieg der Blogs, besonders in den letzten fünf Jahren, war rasant. Blogforscher Jan Schmidt schätzt die Anzahl deutscher Blogs auf mehrere Hunderttausend - genauer beziffern lässt sich das mangels fehlender Erhebungen bislang nicht. Tausende von Personal-Blogs, dienen einzig der Unterhaltung. Der Nutzen für den Leser ist oft nur für persönliche Bekannte erkennbar. Ein Hinweis dafür, dass das Blog noch nicht die Bedeutung hat, die es für die Medienlandschaft einnehmen könnte. Allerdings findet eine Professionalisierung der Blogosphäre statt. Immer mehr Menschen und Unternehmen haben die wahre Bedeutung des Blogs erkannt: Es erodiert das Publikationsmonopol von Journalisten und Redakteuren. Die Installation eines kostenfreien Wordpress-Template reicht aus, um seine persönliche Redaktionskarriere zu starten. Das Blog kommt langsam in der Mitte der Gesellschaft an: Wahlkämpfe von Politikern werden auf Blogs dokumentiert, irokesentragende Internetpunks sind heiß begehrte Fernsehexperten aus einem anderen Medium und Journalisten erkennen Blogs zunehmend als Nachrichtenquelle an.

Blogs - die neuen Fachmedien im Internet?

Laut einer Umfrage des Verbandes der deutschen Fachpresse aus dem Jahr 2010 lesen immer noch 85 Prozent der deutschen Entscheider regelmäßig Fachmedien im Printformat. Online-Angebote von Fachzeitschriften werden dagegen nur von 40 Prozent genutzt. Die Offline-Leser bekommen allerdings immer weniger zu lesen. Anbieter und Hersteller schalten immer weniger Printanzeigen, die Etats für Online-Werbung dagegen steigen. Die Folge: Viele kleine Fachmedien mit geringer Auflagenzahl können sich nicht auf dem Markt halten.

Das Blog muss sich die Nachfolgerrolle der Fachmedien erst noch erkämpfen. Es ist bereits auf dem Weg: Einerseits steigert sich die Qualität der Fach- und Corporateblogs, andererseits überlassen Printmedien ihren Online-Konkurrenten gezwungenermaßen immer stärker das Feld. Die Zeichen der Zeit stehen auf Niedergang für die gedruckten Fachmedien: Momentan gibt es noch etwa 3.900 deutsche Fachzeitschriften. Bis 2006 war die Anzahl der Titel im Wachstum begriffen. Dies ist aber vorbei. An der Online-Konkurrenz scheitern viele Fachmedien. Der drastische Rückgang der IT-Fachmedien ist ein Paradebesipiel für diese Entwicklung.

Blogs: Nutzerorientierte Inhalte

Die Nachfrage an branchenspezifischer Information wird größer, die Welt spezialisiert sich. Interessengruppen differenzieren sich weiter aus, Wissen und Expertise steigen. Immer mehr Menschen fühlen sich dazu berufen, ihr Wissen zu dokumentieren und weiterzugeben. Fachblogs sprießen wie Pilze aus dem Boden. Der Informationskonsum wird durch Blogs nachhaltig beeinflußt werden. Blogs gelten als persönlicher und authentischer. Blogs regen zum Dialog an, sie durchbrechen die Informationseinbahnstraße vom Publizisten zum Leser. Gerade Unternehmen begreifen das als Chance, um Meinungen ihrer potentiellen Kunden einzuholen und darauf reagieren zu können. Der Einfluss der User steigt, Mundpropaganda ist Gegenstand einer neuen Marketing-Strategie geworden. Die Steuerung von Word-of-Mouth-Marketing, also der Beeinflußung von User-Meinungen ist allerdings noch schwer strategisch umzusetzen und wirft neue Fragen auf. Blogger unterliegen nämlich einem ungeschriebenen Ehren-Kodex: Ihre Veröffentlichungen sind unabhängig und ihre Meinungen nicht käuflich. Dies gilt weniger für Corporate-Blogs, aber sie sollten eine goldene Regel der Netzcommunity beachten: reines Eigen-Marketing kommt nicht gut an. Wer Erfolg haben will, muss Mehrwerte für den Leser liefern!

Zukunft des Blogs: "Geliked" ist nicht gelogen?

Bloggte Descartes?

Bis die Blogosphäre eine vollwertige Informationsalternative zu den gedruckten Fachmedien wird, muss sich noch einiges tun. Zum einen braucht es ein größeres Angebot an seriösen Blogs, die verlässliche Informationen anbieten. Nur durch Professionalisierung kann über die Blogosphäre eine Alternative zum traditionellen Journalismus enstehen. Die Arbeit von Journalisten wird dadurch sicherlich nicht überflüssig werden, aber eventuell weniger exklusiv. Entscheidend für die Akzeptanz von Blogs wird aber die gesellschaftliche Entwicklung der nächsten Jahre sein. Die Menschen müssen sich an eine neue Form des Journalismus gewöhnen. Zudem muss das Medium Blog noch mehr in der breiten Öffentlichkeit wahrgenommen werden. Das kann zunächst nur über die traditionellen Medienkanäle geschehen. Wenn Zeitungen über Blogs berichten, auf deren Informationen zurückgreifen und die glamouröstesten Blogger im Fernsehen als Meinungsführer zu sehen sind, wird die mediale Relevanz des Blogs auch bei den Menschen ankommen. Die Zeit wird es richten: In den nächsten Generationen gibt es fast nur noch Digital Natives. Sie werden sich wahrscheinlich in ihren Blogs über die steinzeitliche Nutzung von Papier als Informationsquelle köstlich amüsieren. Ausschlaggebend ist zu guter Letzt die Rolle der Öffentlichkeit: Wenn Blogs vom Volk für das Volk geschrieben sind, dann unterliegt die Kontrolle der Inhalte ebenfalls dem Volk. Die Öffentlichkeit der Zukunft muss noch kritischer sein als heute, Informationen hinterfragen und seine Rolle als dialogischer Informationsfilter wahrnehmen. Ob das funktioniert weiß keiner. Vielleicht wird die Wahrheit irgendwann nach dem basisdemokratischen Prinzip des Facebook-Like-Buttoms definiert: Was "geliked" wird, ist wahr!

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Tipp

  • Wie setze ich Wordpress für Unternehmen ein, die richtige Konfiguration finden, Optimierung für Google & Co. gibt es im Wordpress Seminar der 121WATT

Von Lars Wich

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