Alles klar? 10 Expertentipps für Verständlichkeit in Wort und Text

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Teil 3: Klartext kann jeder - mit diesen 10 Regeln für mehr Verständlichkeit

Verständlichkeit kann man messen. „Es geht tatsächlich!“, sagt Prof. Dr. Frank Brettschneider. Und er muss es wissen. Schließlich analysieren und messen er und sein Team der Universität Hohenheim die Verständlichkeit von Texten schon seit einiger Zeit. Wie das genau funktioniert, hat uns Prof. Brettschneider bereits persönlich in Teil 2 unserer Serie erklärt. Seine Forschungsergebnisse stecken im „Hohenheimer Verständlichkeitsindex“ – einer Skala, mit der man formale Verständlichkeit ganz objektiv messen kann. Der Index wird intern zur Prüfung von Dokumenten und Schreiben für Studenten verwendet. Extern wird er als Software vertrieben, die Texte analysiert und Verbesserungsvorschläge macht.

Aber: Jeder kann verständliche Texte schreiben – auch als Nicht-Professor und ohne kluge Verständlichkeitssoftware. Die passende Anleitung dazu gibt’s hier (Auszug aus den Klartext-Regeln der Universität Hohenheim):

1. Die Anrede des Lesers ist persönlich, freundlich und offen. Fachliche Prozesse und Systeme müssen erklärt werden. Amts- oder Befehlston passen nicht dazu.

2. Ganz wichtig: eine klare Struktur. Ein gut strukturierter Text besteht aus einem Hauptteil mit erkennbarem roten Faden (Zwischenüberschriften, Hervorhebungen). Einstieg und Schluss sind besonders leicht verständlich. Bei Aufzählungen empfehlen sich Listen.

3. Weniger: unnötige Füllwörter und unwichtige Detailinformationen. Mehr: Konzentration auf das Wesentliche.

4. Bezüge zwischen Wörtern, Satzteilen und Sätzen müssen eindeutig sein. Eine einheitliche Wortwahl ist ein wichtiges Kriterium für Verständlichkeit. "Zerrissene" (zweiteilige) Verben sind eher ungünstig. Am Ende noch einmal alle Bezüge (v.a. nach Kürzungen oder Änderungen) zu prüfen ist sinnvoll.

5. Fremdworte sind (je nach Publikum) unverständlich und Stolpersteine im Text. Besser sind einfache und bekannte Begriffe. Für fast jedes Fremd- oder Fachwort gibt es ein verständlicheres deutsches Wort. Dasselbe gilt für vermeidbare Anglizismen (z.B. Location, Challenge). Unverzichtbare Fachbegriffe und unbekannte Abkürzungen bei der ersten Verwendung in Klammern oder in einem eigenen Satz erklären.

6. Passiv vermeiden – so oft es geht. Die Handelnden sollten das Subjekt des Satzes sein, wenn sie bekannt sind.

7. Lieber positive Ausdrücke verwenden, statt Verneinungen. Doppelte Verneinungen sind ein No-go.

8. So wenig Substantive und "schwache" Verben verwenden wie möglich. Schwach sind Verben wie "erfolgen", "durchführen" oder "betreffen". Starke Verben sind aktiv, konkret und aussagekräftig.

9. Knacken Sie Bandwurm-Wörter. Statt "Prüfungsleistungsanerkennung" lieber "Anerkennung von Prüfungsleistungen" verwenden. Falls sich ein Wort nicht gut teilen lässt, helfen Bindestriche für eine bessere Lesbarkeit (z.B. "Bachelor-Studierende" statt "Bachelorstudierende"). Das sieht die neue Rechtschreibung sogar so vor.

10. Bei Bandwurm-Sätzen gilt dasselbe: Kürzen oder teilen Sie Sätze, die länger als 20 Wörter sind. Zwischen Subjekt und Prädikat (sowie den zwei Teilen eines Prädikats) sollten nicht mehr als sechs Wörter stehen.

Viel Erfolg beim (verständlichen) Texten!

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