Dein Chef ist auf Facebook, möchte aber (auch) nicht Dein Freund sein

Das Ergebnis einer aktuellen Forsa-Umfrage in Auftrag der Bitkom sorgte dieser Tage für Diskussionen in der Agentur: Freundschaftsanfragen von Vorgesetzten sind unbeliebt. Nur Fremde, Politiker und flüchtige Bekannte befinden sich noch weiter hinten auf der Skala. Es steht nicht gut um die Beliebtheit von Chefs – soweit nichts Neues. Aber müssen Chefs speziell an ihrer Online Reputation arbeiten? Ein paar Gedanken zu Freundschaftsanfragen aus der Chefperspektive.

Online Reputation durch Chefs gefährdet?

Grundsätzlich sind Chefs ja sowieso (Serien-)Täter. Aus dieser Perspektive ist auch die Bitkom-Studie entstanden. Chefs nötigen mit Freundschaftsanfragen ihre Untergebenen, so formuliert die Bitkom scharf. Und diese armen Menschen müssen sehen, wie sie da unbeschadet rauskommen. Weil sie ihr Privatleben eben nicht mit ihrem Chef teilen wollen. Und ihre Meinung über die Ungerechtigkeit oder Langeweile des Arbeitsalltags – beliebte Statusmeldungen – schon gar nicht.

Es geht ums Prinzip, nicht um Listen

Im Zeitalter der Facebook Listen ließe sich das verhindern. Aber es geht ja eigentlich um etwas anderes. Es geht um die Freiheit, zum Vorgesetzten "Nein" sagen zu können. Es geht um Abgrenzung, darum zu sagen: Bis hier hin und nicht weiter, dir gehört nicht mein ganzes Leben. Aber – und das bleibt bei der Befragung unberücksichtigt – das Dilemma existiert genauso umgekehrt. Auch Chef oder Chefin möchte mitunter nicht das ganze Leben mit Mitarbeitern teilen. Und möchte es den Kollegen auch nicht zumuten, Privatleben vor dem Chef ausbreiten zu müssen – Listen hin oder her.

Einmal mehr bestätigt sich: Facebook ist überwiegend Privatsache. Aber: Das gilt für Mitarbeiter und Chef gleichermaßen. Und gleichzeitig ist es Interpretationssache – und wird individuell genutzt und beurteilt. Das sieht man auch bei uns in der Agentur: Die eine Geschäftsführerin ist seit Jahren mit Kollegen auf Facebook befreundet – auf Anfrage der Kollegen. Die andere erst, seit es aus bestimmten Gründen notwendig geworden ist.

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