Eklat um Monsanto Stakeholder-Listen – Viel Lärm, und jetzt?

Die Debatte berührt PR-Profis – rechtlich und moralisch. Die Empörung ist groß und ebenso die Verunsicherung. Was dürfen Public Affairs- und PR-Spezialisten - und was eben auch nicht? Zuerst einmal: Keine Panik! Es gehört - das bringt Frank Zimmermann in Pfeffers PR-Journal gut auf den Punkt - in vielen Teildisziplinen der PR zu den grundlegenden Aufgaben, das Kommunikationsumfeld zu identifizieren und auch zu bewerten. Kurz: Die Segmentierung der Stakeholder und die Erstellung von Stakeholder-Maps gehört zum Handwerk.

 Auch der Deutsche Rat für Public Relations (DRPR) mahnt zur Besinnung und warnt vor einer Bedrohung der öffentlichen Willensbildung. “Ein Dialog zwischen Unternehmen und Personen des öffentlichen Lebens ist nur dann möglich, wenn Unternehmen diese Kontakte auch anlegen und pflegen dürfen,“ erklärt Prof. Dr. Lars Rademacher, Vorsitzender des Deutschen Rates für Public Relations. Und dennoch gibt es ganz konkret durchaus einige Dinge zu beachten, wenn wir unser Beziehungsumfeld analysieren und bewerten. Hier gibt es eine rechtliche und eine ethische Ebene.

Datenschutz und Persönlichkeitsrechte – Persönliche Integrität schützen

Wenn wir Kontakte dokumentieren und in Datenbanken speichern, gehört es in unserer Arbeit selbstverständlich dazu, dass, so auch Rademacher von der DRPR, die Datenerhebung und -speicherung den Bestimmungen zum Datenschutz sowie den jeweils geltenden Gesetzen entspricht. Das ändert sich auch mit der EU-Datenschutzgrundverordnung (kurz: EU-DSGVO) nicht. “Adressen sind keine Geheiminformationen. Jedes berechtigte Interesse reicht aus, damit die Speicherung legal ist. Dass ein PR-Verantwortlicher ein berechtigtes Interesse an der Speicherung von Journalistenkontakten hat, steht außer Frage”, so Jurist Niko Härting im “pressesprecher-DSGVO-Check”.

Doch auch über den Datenschutz im engeren Sinne hinaus, gilt es die allgemeinen Persönlichkeitsrechte zu achten. Konkret heißt das, dass es durchaus legitim ist, öffentlich verfügbare Informationen, wie politische Positionen von Personen des öffentlichen Lebens, zu recherchieren. Genauso richtig ist, dass auch eine Person des öffentlichen Lebens es nicht dulden muss, wenn die Grenzen des Privaten missachtet werden. Spannend werde es, so Carsten Reimann vom Institut für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung der LMU München, wenn man sich weiterführende Informationen über einzelne Personen verschafft. "Dann stellt sich die Frage, welche Informationen das sind, auf welchen Wegen man sie sich beschafft, zu welchem Zweck dies geschieht und was man dann konkret mit diesen Infos anfängt." So sei es absolut inakzeptabel, sich persönliche, private, intime Infos zu verschaffen, diese womöglich auf dunklen Wegen zu generieren, um sie dann zu nutzen. Ob im Fall Monsanto der Datenschutz eingehalten und die Persönlichkeitsrechte geachtet wurden, prüfen jetzt Anwälte. Und das ist gut so.

Ethische Grundsätze – Wir brauchen einen Verhaltenskodex und ein Lobbyregister

„Selbstverständlich ist es zu kritisieren, wenn einzelne Personen oder Organisationen in solchen Listen gebrandmarkt werden“, sagt Thomas Zimmerling, Vorsitzender der Beschwerdekammer Politik im Deutschen Rat für Public Relations. Dem können wir uns anschließen. Nichtsdestotrotz ist die berechtigte Vertretung von Interessen ein demokratisches Recht in Deutschland und in der EU. Kaum ein Abgeordneter verfügt über ausreichendes Wissen, um alle zur Entscheidung stehenden Fragen ohne Beratung beantworten zu können. Ob wir politischer Interessensvertretung vertrauen, hängt allerdings ganz wesentlich davon ab, ob sie nach demokratischen Spielregeln stattfindet, ethischen Grundsätzen folgt und für jeden auch möglichst transparent stattfindet. Deshalb sind Forderungen nach einem Verhaltenskodex auch für Politikberater und Lobbyregister wichtig. Es gibt viele Fürsprecher für letzteres, darunter GPRA und die Deutsche Gesellschaft für Politikberatung de’gepol.

Fazit: Vertrauen ist unsere Währung

Egal ob in Public Affairs oder in Public Relations: Unsere größte Währung ist Vertrauen. Wir sollten alles daransetzen, dieses Vertrauen in der Zusammenarbeit mit unseren Stakeholdern zu gewinnen, aufzubauen und zu halten. Dies verpflichtet uns dazu, uns um den Schutz der persönlichen Daten (und damit auch der persönlichen Integrität) unserer Kontakte zu sorgen. Es verpflichtet uns allgemein zu einem ethisch verantwortlichen Handeln, verankert in zahlreichen PR Codices. Es darf uns aber nicht davon abhalten, unsere Arbeit zu tun - so gut wie möglich und im besten Sinne für alle.

Autor

Anita Möllering

Studierte Slawistin, Politik- und Kulturwissenschaftlerin. Als PR-Beraterin und Journalistin ein PR-Allrounder mit Affinität zu Technologie- und Digitalthemen. Mit im Gepäck: Kommunikationserfahrung in Unternehmen, Verbänden, Agentur und als Pressesprecherin einer politischen Partei. Beruflich wie privat beim Bouldern, als Mutter und Familienmensch immer voller Energie und bereit, die Extrameile zu gehen. Leidenschaftliche Leserin russischer Literatur und auch sonst eine Freundin überzeugender Narrative.

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