Warum eine gute Feedback-Kultur für die interne Kommunikation so wichtig ist

Immer mehr Unternehmen schreiben sich eine offene Feedback-Kultur auf die Fahnen. Weil es gut klingt und gerade angesagt ist. Und weil sie damit ihre Recruiting-Chancen im hart umkämpften Fachkräftemarkt zu erhöhen hoffen. Umfassende Feedback-Möglichkeiten sind aber vor allem ein effektiver Weg, um die interne Kommunikation im Unternehmen zu verbessern.

Die wichtigsten Ziele der internen Kommunikation bestehen darin, das Vertrauen der Mitarbeiter zu gewinnen und sie langfristig ans Unternehmen zu binden. Um das zu erreichen, reicht es längst nicht mehr, die Mitarbeiter zu informieren. Sie müssen auch eingebunden werden. Die interne Kommunikation darf keine Einbahnstraße sein. Sie muss allen Mitarbeitern die Möglichkeit bieten, Feedback abzugeben.

Umfassende Feedback-Möglichkeiten sind kein Nice-To-Have, sondern eine dringende Anforderung angesichts der heutigen Beschäftigungsstruktur. Sowohl die Millennials, die mittlerweile den größten Teil der heutigen Arbeitnehmer darstellen, sowie die ganz Jungen, die Generation Z, sind im Zeitalter von Social Media aufgewachsen und an einen ständigen Fluss von Likes, Shares und Kommentaren gewöhnt. Sie lassen sich in besonderem Maß durch Bewertungen motivieren. Sie wollen klar definierte Ziele. Sie wollen die Pläne zur Erreichung dieser Ziele verstehen und nachvollziehen können, welchen individuellen Beitrag sie dazu leisten können. Und sie wollen das Gefühl haben, dass ihre Meinung zählt und dass sie Teil eines Teams sind. Resonanz zu spüren und zu wissen, wofür man etwas tut, ist ein wichtiger Faktor für das Erleben von Sinnhaftigkeit. Und das wird immer wichtiger, speziell für die Vertreter der Gen Z, die jetzt in den Arbeitsmarkt eintreten.

Wie entsteht eine gute Feedback-Kultur?
Hinzu kommt, dass sich die Job-Welt durch Trends wie New Work massiv verändert: Wenn Arbeitszeiten flexibler werden, ein Großteil der Mitarbeiter keinen festen Arbeitsplatz hat und der gegenseitige Austausch unabhängig von Zeit und Ort möglich ist, wachsen die Herausforderungen für die interne Kommunikation und damit auch an das Thema Feedback.

Doch wie entsteht eine gute Feedback-Kultur, und was macht sie letztlich aus? Wichtige Voraussetzungen sind natürlich gegenseitiger Respekt, Vertrauen und die Bereitschaft zur Kommunikation im Team. Sinnvoll ist auch, die Feedback-Kultur zu institutionalisieren – beispielsweise durch Mitarbeitergespräche. Die klassischen Jahresgespräche sind allerdings nicht mehr zeitgemäß. Speziell jüngere Mitarbeiter wünschen sich häufigere Rückmeldungen zu ihren Leistungen. Abgesehen davon ist ein zeitnahes Feedback auch näher an der Realität. Vierteljährliche oder projektabschließende Feedbacks und Leistungsgespräche eignen sich meist besser – die Bewertung ist dann unmittelbarer und somit inhaltlich häufig frischer und genauer. Davon profitieren beide Seiten – Mitarbeiter wie Vorgesetzte.

Neue Feedback-Möglichkeiten durch neue Technologien
Neben dem klassischen Mitarbeitergespräch gibt es noch viele weitere Feedback-Möglichkeiten, die sich je nach Thema, Branche und Unternehmensgröße anbieten vom Brunch mit der Geschäftsführung zu ganz konkreten Themen bis hin zur Feedback-Box in der Kaffeeküche. Entscheidend ist, dass das Feedback jederzeit möglich ist und dass Fragen und Anregungen auch zu einer Reaktion führen. Sinnvoll ist auch die Veröffentlichung von Leistungen, die ein Team oder das gesamte Unternehmen erreicht hat. Gemeinsam Erfolge zu feiern, steigert die Motivation und den Teamgedanken.

Neben festen Einrichtungen gewinnen aber vor allem die neuen Technologien beim Thema Feedback an Bedeutung. E-Mail, Messenger und Intranet sind mittlerweile etabliert, hinzu gekommen sind vielerorts weitere Tools für Austausch und Kollaboration. Die Komplexität steigt. Für die interne Kommunikation bedeutet das: Sie muss mit den neuen Technologien wachsen und die unterschiedlichen Kommunikationskanäle sinnvoll und bewusst nutzen – und zwar nicht Top-Down, sondern verteilt und wechselseitig. Speziell bei Social Enterprise Networks wie beispielsweise Yammer steht der Community-Gedanke im Vordergrund: Alle Mitarbeiter haben die Möglichkeit, mitzureden. Das verändert auch die Rolle der Abteilung für interne Kommunikation: Sie nimmt heute wesentlich stärker als früher eine Vermittlerrolle zwischen Management und Mitarbeitern ein.

Feedback erhöht die Mitarbeiterzufriedenheit

Der Faktor Feedback hat dabei eine entscheidenden Stellenwert für den Zusammenhalt und die Stimmung im Team, aber auch für die Zufriedenheit jedes einzelnen Mitarbeiters. Wie sich durch Feedback-Optionen die Zufriedenheit erhöhen lässt, zeigt eine Aktion des britischen Gesundheitsministeriums Bupa (British United Provident Association): Auf einer digitalen Pinnwand konnten die Mitarbeiter eine Woche lang posten, was sie am Arbeitsplatz zufrieden macht. Die Kampagne war ein voller Erfolg: 8 von 10 Mitarbeiter gaben anschließend an, die Möglichkeit, ihre Wünsche und Befindlichkeiten zu äußern, habe sie zufriedener gemacht.

Eine gute Kommunikationskultur entscheidet für den Erfolg des gesamten Unternehmens. Sie beeinflusst die Anzahl von Krankheitstagen und Kündigungen, die Kosten für Neueinstellungen und die Attraktivität als Arbeitgeber. Sie fördert die Motivation der Mitarbeiter und steigert dadurch deren Produktivität. Umfassende Feedback-Möglichkeiten spielen dabei eine zentrale Rolle.

Autor

Sabine Prehl

Die frühere Computerwoche-Redakteurin schreibt mit Leidenschaft, nicht nur über technische Themen. Auch in den Bereichen Architektur, Design, urbane Mobilität sowie Gesundheit und Ernährung hat die Kommunikationswissenschaftlerin viele Jahre Texterfahrung, und sie ist immer offen für Neues. Zur Arbeit kommt sie meistens mit dem Fahrrad, und auch sonst ist sie gerne in Bewegung – ob auf Skiern, Inline-Skates oder beim Yoga.

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