Human oder künstlich – Hauptsache intelligent?

Wie lange wird es noch dauern, bis Computerprogramme so lebensecht Sprache simulieren können, dass wir nicht mehr bemerken, ob eine reale Person oder Künstliche Intelligenz mit uns spricht? Und welche Auswirkung hat der Einsatz von KI auf die PR? Gerade in Zeiten von Corona rückt die Entwicklung von Künstlicher Intelligenz stärker denn je in den Mittelpunkt – auch in der Kommunikationsbranche.

Künstliche Intelligenz ist das Buzz-Word der Stunde und viele Unternehmen, gerade im Bereich der Datenanalyse, brüsten sich damit. Durch die drastisch zunehmende Digitalisierung aufgrund der aktuellen Pandemie gewinnt der Bereich zudem noch einmal eine ganz neue Gewichtung. Doch was bedeutet das konkret für die PR-Branche? Und müssen wir nun alle wirklich um unsere Jobs fürchten?

Künstliche Intelligenz in der Kommunikationsbranche

Klar ist: Durch KI verändert sich auch die Kommunikation. Im Marketing und in der PR gibt es bereits jetzt zahlreiche Einsatzmöglichkeiten. Media Monitoring, Content-Verschlagwortung und Erfolgsmessung sind die drei kommunikativen Kernbereiche, bei denen sich – laut einer im Frühjahr erstellten Umfrage von news aktuell und Faktenkontor – Künstliche Intelligenz zukünftig am stärksten durchsetzen wird. 

Wir können jedoch erst einmal aufatmen. Bisher besteht in naher Zukunft nicht die Absicht, Aufgaben grundlegend zu verlagern oder Arbeitsplätze einzusparen. Vielmehr geht es darum, noch gezielter Informationen über relevante Zielgruppen zu gewinnen und zu verstehen, in welchem Umfeld sich diese bewegen. Algorithmen können uns dabei helfen, unsere Zielgruppen effektiver anzusprechen. Wir können sie dadurch noch genauer identifizieren und herausfinden, wer für welche Themen empfänglich oder gar meinungsbildend ist. 

Hierbei handelt es sich zu großen Teilen um Anwendungen, die die Automatisierung von Marketing-Prozessen betreffen. Spricht man allerdings von Anwendungen im Content Marketing, ist der Einsatz von KI noch stark unterrepräsentiert. Zwar existieren bereits Tools, die auf Basis der Analyse des eigenen Sprachstils Content produzieren. Technologien wie NLG (Natural Language Generation) können zum Beispiel klassische Routine-Tätigkeiten eines Kommunikations-Managers erleichtern – etwa beim Erstellen von Standard-Produktmeldungen, Bilanzberichten oder Gebrauchstexten. Im Gegensatz zum Menschen kann NLG aber keine Fließtexte selbst produzieren. Hier ist eine Formatvorlage für die Maschine notwendig. KI hilft demnach bislang nur bei Prozessen oder Inhalten, die eine Regelmäßigkeit aufweisen und anhand von Mustern und Algorithmen simuliert werden können. 

Der Mensch macht den Unterschied

Der „heilige Gral“ der KI-Forscher ist allerdings die Suche nach Künstlicher Intelligenz, die menschliche Sprache nicht nur verstehen, sondern auch so naturgetreu simulieren wird, dass wir nicht mehr unterscheiden können, ob wir nun mit KI oder einer realen Person kommunizieren. Dies würde auch miteinschließen, dass KI zu intelligenter und emotionaler Konversation fähig ist und großartige Ideen für Inhalte generieren kann. Davon ist die Wirklichkeit allerdings noch weit entfernt. Um die manuelle Erstellung von Inhalten vollständig durch KI ersetzen zu können, bedarf es weitaus komplexeren Fähigkeiten. KI müsste es demnach möglich sein, wie ein Mensch zu denken, zu fühlen, Emotionen zu äußern, eine Meinung zu bilden und Dinge kritisch zu hinterfragen. 

Was bedeutet das konkret für die PR-Branche?

All das bedeutet im Umkehrschluss, dass wir uns in Zukunft noch mehr auf die anspruchsvollen Komponenten unseres Berufs konzentrieren werden. Kreative Ideen entwickeln, neue Perspektiven einnehmen, Zusammenhänge erschließen und das alles zielgruppengerecht aufbereiten, in Geschichten verpacken und somit Relevanz erzeugen – das wird Machine Learning und KI auch in näherer Zukunft noch nicht leisten können.

KI kann uns jedoch gewinnbringend unterstützen. Das funktioniert allerdings nur, wenn wir uns eine gewisse Software-Kompetenz aneignen. Nutzen wir neue Technologien, müssen wir sie auch verstehen und in der Lage sein, die Daten dahinter auszuwerten. Wie in so vielen anderen Bereichen des privaten und beruflichen Lebens gilt auch hier: Wir sollten neue Technologien als Chance und nicht als Gefahr begreifen. Als Experten für PR und Kommunikation können wir gerade in der Digitalisierung mit unserer Beratungsleistung und unseren Erfahrungswerten Mehrwerte bieten. Und wer versteht, was Künstliche Intelligenz tatsächlich leisten kann, wird spannende Anwendungsfelder und neue Potenziale entdecken!

Autor

Kristina Schreiber

Schwarzwaldmädel goes Bayerische Alpen – Die gebürtige Freiburgerin studierte am KIT in Karlsruhe Wissenschaftskommunikation und hat in München ihre zweite Heimat gefunden. Strotzt nicht zuletzt durch ihren Abstecher in die Welt des Films und der Influencer Relations vor Kreativität und Flexibilität und behält auch in stressigen Situationen den nötigen Weitblick. In ihrer Freizeit knipst sie sich durch die Weltgeschichte, immer auf der Suche nach dem Besonderen. Feuer und Flamme für medizinische Themen, Schwarzweiß-Fotografie, Süditalien und den Geschmack von gutem Kaffee.

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