New Work ist mehr als ein cooles Großraumbüro

Selbstständigkeit, Handlungsfreiheit, Selbstverwirklichung und Teilhabe an der Gemeinschaft: Das sind die Ziele der neuen Arbeitswelt. Räumliche und gestalterische Aspekte sind nur ein Teil davon.

Die Digitalisierung verändert die Arbeitswelt grundlegend. Sie entlastet Mitarbeiter bei Routineaufgaben – oder befreit sie ganz davon. Und sie bietet völlig neue Möglichkeiten des Austauschs und der Kollaboration.  Arbeit wird weniger in Abteilungen, sondern vielmehr in Teams und Projekten organisiert. Hierarchien lösen sich zunehmend auf, Strukturen wie der klassische „Nine-to-Five-Job“ sowie feste Arbeitsorte und Zeiten verlieren an Bedeutung. Willkommen in der neuen Arbeitswelt, neudeutsch: „New Work“.

Bessere Kollaboration in offen gestalteten Räumen
Unternehmen reagieren auf den neuen Trend mit der Schaffung von so genannten Co-Working-Spaces und Innovationszentren, die offen gestaltet sind und auf diese Weise die Kollaboration und Kreativität fördern sollen. Auch Büros, in denen niemand mehr seinen festen Arbeitsplatz hat, sind immer häufiger anzutreffen – sogar in den Amtsstuben: Die Stadt München startet nächstes Jahr ein entsprechendes Pilotprojekt im Kommunalreferat.

Vielerorts werden die Mitarbeiter in die Gestaltung einbezogen, um die Arbeitsumgebung an ihren Bedürfnissen auszurichten. Ein Beispiel ist die Zukunftswerkstatt, die unser Kunden MAN vor einigen Jahren entwickelt hat. Mit dem innovativen Gebäude, in dessen Einrichtung das Feedback der Mitarbeiter sowie wissenschaftliche Erkenntnisse des Fraunhofer Instituts eingeflossen sind, schaffte es beim XING New Work Award auf den 1. Platz.

Agilität, gemischte Teams und flache Hierarchien
Allerdings war MAN von Anfang an klar, dass es sich bei New Work nicht nur um ein gestalterisches Konzept handelt, mit dem sich lässt. Ein cooles Großraumbüro reicht nicht, um den Wandel der Arbeitswelt in den Griff zu bekommen. New Work soll vielmehr die Frage beantworten, wie sich Arbeit in Zukunft definieren und organisieren lässt – auf Basis von Zusammenarbeit, Gemeinschaft, Nachhaltigkeit und Offenheit. Durch die räumlichen und zeitlichen Freiheiten sollen sich die Mitarbeiter individueller entfalten und mitentscheiden können, wie, wann und mit wem sie arbeiten.

Einen besonderen Stellenwert haben dabei die Themen Diversity und Agilität. So arbeiten in der MAN Zukunftswerkstatt Menschen unterschiedlicher Profession und Herkunft zusammen, um innovative Ideen und Lösungen zu entwickeln. Und die Erfahrung zeigt bereits heute: Ob Denkprozesse, interne Abläufe, Führungsprinzipien oder Kundenbeziehungen: Agile, flexible Strukturen helfen, die Komplexität zu bewältigen, machen die Zusammenarbeit effizienter und verringern das Silodenken.

Aber auch die Sinnhaftigkeit von Arbeit spielt eine zentrale Rolle: Warum übe ich meinen Beruf aus? Mache ich wirklich, was ich will? Leiste ich damit einen Beitrag zur Gesellschaft? In solchen Fragen hat New Work seinen Ursprung. Und um sie zu berücksichtigen, müssen Führungskräfte ihren Mitarbeitern die Tätigkeiten ermöglichen, die sie auch wirklich ausüben wollen.

New Work ist daher kein Konzept, sondern eine Frage der Haltung. Entscheidend ist eine Unternehmenskultur, die von Kommunikation auf Augenhöhe und Wertschätzung geprägt ist. In der gegenseitiges Feedback an der Tagesordnung ist und die Führungskräfte Verantwortung an die Mitarbeiter abgeben. Voraussetzung dafür ist, dass sie ihren Mitarbeitern vertrauen! Das macht sich bezahlt. Denn wenn Menschen wie Erwachsene behandelt werden, verhalten sie sich auch so. Speziell großen Konzernen fällt es jedoch schwer, das Denken in Abteilungen und Hierarchien abzulegen, das ihr Unternehmen über Jahrzehnte geprägt hat. Hier braucht es für die Umsetzung ein gutes Change-Management – und Zeit.

Zudem setzen die neuen Arbeitsweisen und Arbeitsformen eine durchdachte Organisation und Koordination voraus: Wer arbeitet gerade von wo? Wann können alle für ein Meeting zusammenkommen? Fehlt es hier an Absprachen und Regelungen, ist Chaos programmiert. Zudem sind nicht alle Mitarbeiter Freigeister. Es gibt auch diejenigen, die klare Strukturen und Vorgaben brauchen, um gute Leistungen zu erbringen, für die flexiblere Arbeitsbedingungen also eher kontraproduktiv sind.

Klar ist:  Zufriedene Mitarbeiter sind motivierter, produktiver und kreativer. Und genau darum geht es bei New Work: Mitarbeiter mit ihrem sozialen Umfeld und ihren Interessen in Einklang zu bringen und sie so langfristig zu binden. Wir arbeiten nicht mehr, um zu leben, und wir leben nicht mehr, um zu arbeiten. Für die Zukunft brauchen wir eine gelungene Symbiose aus beidem.

Autor

Sabine Prehl

Die frühere Computerwoche-Redakteurin schreibt mit Leidenschaft, nicht nur über technische Themen. Auch in den Bereichen Architektur, Design, urbane Mobilität sowie Gesundheit und Ernährung hat die Kommunikationswissenschaftlerin viele Jahre Texterfahrung, und sie ist immer offen für Neues. Zur Arbeit kommt sie meistens mit dem Fahrrad, und auch sonst ist sie gerne in Bewegung – ob auf Skiern, Inline-Skates oder beim Yoga.

Kommentar schreiben