Bewerbung 2.0: Experteninterview über Online Reputation Management bei der Jobsuche

Online Reputation Management bei der Bewerbung

 

Social Media Profile verraten viel über ihre Besitzer. Kein Wunder also, dass Personaler gerne auch Social Media Plattformen für Recherchen über einen Bewerber nutzen. Dass die eigene Online Reputation gepflegt werden will, ist eigentlich nicht's Neues - möchte man meinen. Doch die Meldungen über Kündigungen aufgrund negativer Posts über den Arbeitgeber reißen nicht ab. Erst gestern entschied das Landesarbeitsgericht Hamm, dass eine Kündigung nach negativen Äußerungen auf Social Media Plattformen rechtens ist.

Online Reputation Management in Personaler-Augen

Online Reputation Management - Experteninterview mit Susan Schulz

Wir haben mit Susan Schulz, Expertin für Human Resources und Social Recruiting, gesprochen. Sie verantwortet als Head of HR der Rocket Internet GmbH in München die gesamte Bandbreite der operativen HR-Arbeit und befasst sich mit dem strategischen Aufbau der Arbeitgebermarke, Employee Engagement und der Strukturierung der HR-Prozesse. Ihre Erfahrungen zeigen, dass der Anteil gut gepflegter Profile zum Zeitpunkt einer Bewerbung bei nur etwa 30 Prozent liegen. Dabei spielen nicht nur unvorteilhafte Fotos oder Posts eine Rolle. Susan Schulz: "Wer mich nicht auf sein Social Media Profil lässt, kann auch punkten. Denn wer die Zugriffsrechte seines Profils gut managt, beweist, dass er mit dem Medium professionell umgehen kann und sich der Bedeutung einer guten Online Reputation bewusst ist." Xing und LinkedIn bewertet die HR-Expertin mit: "Wenn man gefunden werden will, ist ein professionelles Profil hier extrem wichtig. Wenn nicht, kann man getrost darauf verzichten. Wichtig ist aber: Wer ein Xing- oder LinkedIn-Profil besitzt, sollte es auch wie seine Visitenkarte behandeln."

Social Media - safety first: Weniger ist mehr

Susan Schulz empfiehlt in diesem Zusammenhang, Facebook-Kontakte in verschiedenen Freundeslisten mit unterschiedlichen Rechten zu verwalten und das Profil grundsätzlich für Fremde zu sperren. Für alle anderen Online-Plattformen gilt: Weniger ist mehr. "Seinem Frust über die Arbeit in Foren, über Twitter oder bei Facebook Luft zu machen, ist keine gute Idee. Vor jedem Schritt in die virtuelle Öffentlichkeit sollte man sich die möglichen Konsequenzen vor Augen halten. Denn das Web vergisst nie und der Chef sieht mehr als man denkt", so Schulz augenzwinkernd.

Mit kleinen Social Media Tools großen Eindruck schinden

Möchte ein Bewerber zusätzlich in Sachen Social Media punkten, kann er seine Bewerbung mit Hilfe kleiner Tools professionell aufbereiten. "Kinzaa, vizualize.me oder Brazen Careerist machen aus einem Lebenslauf eine schicke Infografik", findet Susan Schulz. "Natürlich macht eine solche Aufbereitung einer Bewerbung nicht bei jedem Job und Arbeitgeber Sinn. Aber wenn die Stelle einen starken Bezug auf neue Technologien oder Social Media hat, kann der Bewerber so meine erhöhte Aufmerksamkeit auf sich lenken."

Vitamin B auf Social Media Plattformen hilft

 

Auf Social Media Plattformen sinnvoll vernetzen

Social Media Profile beeinflussen eine Bewerbung jedoch nicht nur indirekt - durch Recherchen der Personaler. Sie können auch aktiv für die Jobsuche genutzt werden. Susan Schulz: "Neben der Pflege der Profile in professionellen Netzwerken sollte man versuchen, sich dort mit Personen zu vernetzen, die eine Verbindung zur gewünschten Firma oder Branche haben und einem weiterhelfen können. Auch ist es sicher sinnvoll, sich in entsprechenden Foren oder Xing-Gruppen zu beteiligen - aber bitte nur sinnvoll. Sehr viele Firmen bieten mittlerweile auch vielfältige Möglichkeiten an, mit ihnen in Kontakt zu treten oder sich innerhalb einer „Fan“-Community auszutauschen. Ist der Kontakt erst einmal hergestellt, bieten sich in gewissen Branchen beispielsweise auch YouTube Videos als CV-Ergänzung oder Arbeitsprobe an."

Im zweiten Teil des Interviews sprechen wir mit Susan Schulz über das Thema Employer Branding. Die HR-Expertin erklärt, wie Unternehmen Social Media einsetzen sollten und worauf Young Professionals achten. Mehr dazu bald hier auf dem consense Blog.

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