Social Media Flops 2010: Ein Jahresrückblick

Das Jahr 2010 neigt sich langsam aber sicher dem Ende zu. Grund genug, das Jahr vor unserem inneren Auge Revue passieren zu lassen. Wir küren an dieser Stelle die größten Social Media Flops des Jahres und betrachten deren Auswirkungen auf das Online Reputation Management.

Social-Media-Debakel für Konstantin Neven DuMont

Konstantin Neven DuMont

Konstantin Neven DuMont postete vermutlich unter verschiedenen Pseudonymen teils unruhestiftende Kommentare im Blog des Journalisten Stefan Niggemeier. Niggemeier wirft Konstantin Neven Dumont eine systematische Störung vor, in der eine Vielzahl nicht existierender Kritiker simuliert wird. Selbstverständlich streitet der Verleger dies zunächst ab. Als Niggemeier die Kommentare eindeutig auf DuMont's Rechner zurückführt, wird dieser wegen seines Social Media Fauxpas "auf eigenen Wunsch" beurlaubt und von seinen Aufgaben im Verlag entbunden. Am 6.12. wird er schließlich aus dem Vorstand abberufen.

T-Online gefährdet seine Online Reputation

T-Online wiederum täuscht die Kunden in seinem Shoppingportal mit gefälschten Produkt-Bewertungen. Das Unternehmen erteilte der Agentur Textprovider den Auftrag zur Erstellung authentischer Beiträge. Durch das Vortäuschen eines konstruktiven Kundendialogs sollte das Shopping-Portal aufgewertet werden. Auf eine große Social Media Kompetenz deutet dieses Verhalten nicht hin. Inzwischen sind die Texte aus der Einkaufswelt verschwunden. Der Konzern weißt ausdrücklich auf die Unabhängigkeit der Einkaufswelt in Geschäftsbeziehungen hin und spricht außerdem von einer übereifrigen Agentur. Ist es schlimmer Bewertungen zu fingieren, oder sich dabei erwischen zu lassen?

WeTab: Gefälschte Bewertungen auf Amazon

Helmut Hoffer

Großen Wirbel verursachte Helmut Hoffer von Ankershoffen , der auf Amazon gleich in die Rolle von zwei zufriedenen Kunden schlüpfte. Als Peter Glaser und Claudia Kaden versuchte er die Internetgemeinde von den Vorzügen seines Produkts zu überzeugen. Auch er wurde erwischt. Auf Amazon können Nutzer Kundenbewertungen auch unter einem Pseudonym abgeben. Jedoch ist es möglich mit ein paar Clicks über die Wunschlise des Benutzers zur Anzeige des Klarnamens zu gelangen. Der Journalist Richard Gutjahr führte in seinem Blog einen anschaulichen Nachweis. Herr von Ankershoffen trat daraufhin als Geschäftsführer der WeTab GmbH ab, um der angeschlagenen Online Reputation des Produktes und des Unternehmens nicht noch mehr Schaden zuzufügen.

Die Bahn scheitert an Social Media

Die Idee der Bahn, das Chefticket auf Facebook zu promoten, war im Grunde eine Gute. Das Chefticket wurde im Rahmen einer Aktion für einen begrenzten Zeitraum vom 25.10. bis 07.11. für 25 Euro exklusiv auf der Social-Media-Plattform angeboten. Die Zahl der Fans stieg bereits in den ersten Tagen auf über 30.000. Allerdings währte die Freude darüber nicht besonders lange. Von Verspätungen geplagte Bahnfahrer und vor allem die Stuttgart-21-Gegner nutzten den Facebook-Auftritt als Plattform um ihrem Ärger Luft zu machen. Und wie reagiert die Deutsche Bahn darauf? Erst gar nicht, dann schaltet das Unternehmen nach Ablauf der Aktion die Seite ab. Besser wäre es gewesen, mit den Kritikern in Dialog zu treten. Auf ihrer Facebook-Seite verkündet die Bahn, dass diese zur nächsten spannenden Aktion wieder aktiviert werden soll. Es bleibt fraglich, inwiefern eine Social-Media-Pause sinnvoll ist.

Immer wieder Nestlé: kein Gespür für Online Reputation Management

Die größte Aufmerksamkeit in diesem Jahr erregte Nestlé. Die Affäre zwischen Greenpeace und dem Nahrungsmittelkonzern fand seinen Höhepunkt bereits am Anfang des Jahres. Greenpeace beschuldigte das Schweizer Unternehmen in einem Video, durch die Kitkat-Produktion an der Zerstörung des Lebensraums der letzten Orang-Utans mitzuwirken. Der Vorwurf: Bei der Produktion des Schokoriegels werde Palmöl verwendet, für dessen Herstellung in Indonesionen Regenwälder gerodet werden. Der Großteil der ausgelösten Empörung entlädt sich daraufhin auf der Facebook-Seite des Unternehmens. Und wie reagierte Nestlé? Sie ließen das Video entfernen, löschten kritische Kommentare und antworteten dann mit großer Verzögerung durch klassische Pressemitteilungen. Sie machen alles falsch, obwohl sie scheinbar ausreichend Gelegenheit haben um zu üben. Die einzig richtige Reaktion wäre gewesen, mit den Kritikern auf Augenhöhe in den Dialog zu treten und so zu versuchen die Angelegenheit zu entschärfen.

Online Reputation Management will gelernt sein

Unser Fazit: der Umgang mit Social Media will gelernt sein. Das gilt erst Recht im Krisenfall. Die Reaktion auf Anschuldigungen und Vorwürfe und eine damit erhoffte Schadensbegrenzung erfordern Erfahrung, Fingerspitzengefühl und Können. Sonst können die negativen Folgen für die Online Reputation enorm sein.

Von Tobias Stadler

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