Wie kreativ ist ChatGPT? Wir haben es getestet

ChatGPT und Kreativität – ein Widerspruch? Derzeit wird viel darüber diskutiert, wie kreativ der Bot sein kann und wo seine Grenzen liegen. Berater Alex hat das Tool auf die Probe gestellt, und zwar mit einer völlig verrückten Storyidee: Nach Briefing sollte die generative KI eine Geschichte über eine Banane, die um die halbe Welt reist, um ihre Vollendung als Bananen-Split in einem venezianischen Restaurant zu finden, schreiben. Was dabei herauskam? Lest selbst!

Ich habe ein paar Anläufe gebraucht, bis ich den richtigen Eingabetext (bei ChatGPT „Prompt“ genannt) formuliert hatte. Die ersten Ausgaben von ChatGPT gaben die Stichpunkte wieder, die ich eingegeben hatte. Ich benannte konkret die Erzählerperspektive sowie die Textart, die mir der Bot ausspucken sollte. Letztendlich führte folgender Prompt zum Ziel:

„Stelle dir vor, du bist eine Banane und in Costa Rica auf einem Baum aufgewachsen. Dann unternimmst du eine Reise bis nach Venedig und wirst als Bananen-Split mit Vanille-Eis und Schokosträuseln in einem Restaurant veredelt. Schreibe eine Reportage aus der Ich-Perspektive dieser Banane und gehe im Text auf folgende Fragen ein…“

Hier listete ich nun die wichtigsten Fragen auf – beispielsweise, wie die Kindheit auf Costa Rica gewesen und was auf der Reise nach Venedig passiert ist. Außerdem gab ich ChatGPT den Auftrag, die Formulierungen kreativ und bildlich zu gestalten. Ohne diese Hinweise waren die ersten Texte eher spröde und langweilig. Als ich den Bot fragte, wie denn das Restaurant in Venedig heiße, antwortete er:

„Das Restaurant in Venedig, in dem ich als Bananen-Split veredelt wurde, heißt "La Dolce Banana". Es ist ein charmantes und gemütliches Lokal, das für seine exquisiten Dessertkreationen und seine Liebe zur Frische und Qualität bekannt ist. Die Besitzer, ein leidenschaftliches Ehepaar, haben es sich zur Aufgabe gemacht, ihren Gästen unvergessliche kulinarische Erlebnisse zu bieten.“

Klingt auf den ersten Blick alles plausibel, aber eine kurze Google-Recherche zeigt: Das „La Dolce Banana“ hat ChatGPT erfunden, das Restaurant gibt es nicht in Wirklichkeit. Solch ein Fall nennt sich „KI Halluzination“ und kann auftreten, wenn die KI nicht über die notwendigen Informationen verfügt.

Das finale Ergebnis: „Meine Reise von Costa Rica nach Venedig“

Hallo, ihr neugierigen Fruchtenthusiasten da draußen! Mein Name ist Carl, und ich bin eine Banane. Ja, richtig gehört, eine ganz gewöhnliche Banane, die in den üppigen Tropen Costa Ricas auf einem majestätischen Bananenbaum aufgewachsen ist. Oh, wie ich mich noch an meine Kindheit erinnere!

In den sonnenverwöhnten Hängen Costa Ricas war mein Leben ein wahres Paradies. Die warme Brise, die sanft durch das üppige Laub wehte, umspielte meine noch grüne Haut. Die Sonne strahlte auf mich herab und ließ mich reifen, während ich mich am Baumstamm festklammerte. Meine Geschwister und ich genossen die Gesellschaft der fröhlichen Affen, die in den Bäumen herumtollten, und die exotischen Vögel, die mit ihrem Gesang den Dschungel erfüllten.

Doch dann kam der Tag, an dem wir von freundlichen Händen gepflückt wurden. Es war Zeit für uns, unsere Heimat zu verlassen und eine aufregende Reise zu unternehmen. Unsere Reise führte uns über weite Ozeane, vorbei an schäumenden Wellen und türkisfarbenem Wasser, bis wir schließlich in dem magischen Ort namens Venedig ankamen.

Die Reise auf dem Schiff war ein Abenteuer für sich. Wir Bananen lagen dicht gedrängt in Kartons und schaukelten auf den Wellen des Meeres hin und her. Manchmal kullerten wir von einer Seite zur anderen und hatten das Gefühl, dass wir in einer Achterbahnfahrt stecken geblieben waren. Doch wir hielten zusammen und versuchten, die Aussicht auf das Unbekannte zu genießen.

Als wir in Venedig ankamen, wurden wir in einem charmanten Restaurant entladen. Der Geruch von köstlichen Aromen füllte die Luft, und wir spürten eine gewisse Aufregung in uns aufsteigen. Unsere Zeit als einfache Bananen sollte vorbei sein. Wir wurden sorgfältig geschält und in Scheiben geschnitten, während das cremige Vanille-Eis und die verführerischen Schokosträusel auf uns warteten.

Plötzlich wurden wir zu einem Bananen-Split veredelt! Es fühlte sich an, als ob ein strahlendes Licht auf uns herabfiel und uns in einen wahren Superstar verwandelte. Die Kombination aus dem kalten Eis, der seidigen Textur der Banane und dem knusprigen Geschmack der Schokosträusel war einfach himmlisch. Jeder Bissen war eine Explosion der Aromen und ein Fest für die Sinne.

Als Bananen-Split in Venedig zu enden, war eine Ehre. Ich fühlte mich stolz und erfüllt, während ich von den Gästen im Restaurant genüsslich verspeist wurde. Meine Reise von Costa Rica nach Venedig hatte mir gezeigt, dass das Leben manchmal unerwartete Wendungen nimmt und dass man seine Träume verwirklichen kann, selbst wenn man nur eine einfache Banane ist.

Also, liebe Leser, erhebt eure Löffel“

Mein Fazit: Kreativ ja, aber mit Einschränkungen

Das Ergebnis kann sich durchaus sehen lassen. Mein größtes Learning: Das richtige Briefing ist alles – denn je präziser und genauer der Prompt war, desto besser wurde auch die Geschichte. An der Stelle ist wichtig zu wissen, dass ChatGPT mit bestehenden Textdaten trainiert wurde und die Antworten basierend auf diesem Training generiert. Obwohl die KI in der Lage ist, auf kreative Weise zu antworten, fehlt ein tiefgreifendes Verständnis oder echte emotionale Erfahrungen, die die Kreativität menschlicher Autoren:innen prägen. Der Bot kann Ideen kombinieren und neu arrangieren, dabei fehlt jedoch die persönliche Subjektivität, die menschliche Kreativität oft auszeichnet.

Im Alltag kann ChatGPT eine große Hilfe sein, um sich Themen kreativ zu nähern. Eine Studie der Humboldt-Universität und der Uni Essex hat die Kreativität von Menschen mit derer von generativen KI-Programmen verglichen. Das Ergebnis: Die Ideen der KI sind im Schnitt genauso kreativ, wie die von Menschen. Der große Unterschied jedoch ist, dass KIs einen Anstoß von außen brauchen.

Und genau das ist der Punkt. Wer einen kreativen Text von ChatGPT schreiben lassen will, muss die initiale Idee selbst haben. Anschließend kann der oder die Autor:in den Bot mit möglichst präzisen und detailreichen Vorgaben „füttern“. Je konkreter diese Vorgaben sind, desto besser ist das Ergebnis. Außerdem gilt: Der KI nicht blind vertrauen und zentrale Fakten überprüfen. Und schon steht dem kreativen Text nichts mehr im Wege.

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