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Corporate Influencer im Recruiting: Was ein Programm braucht

Veröffentlicht am 02.05.2024 | Aktualisiert am 02.10.2026

Viele Unternehmen erstellen viel Content, erreichen damit aber nicht immer die gewünschte Zielgruppe. Persönliche Profile können einen zusätzlichen Zugang schaffen. Genau hier setzen Corporate Influencer an.

Corporate Influencer in Aktion: Wie sie beim Employer Branding unterstützen

Das Wichtigste in Kürze

  • Corporate Influencer geben auf ihren persönlichen Social-Media-Profilen Einblicke in ihren Arbeitsalltag und ihr Unternehmen.

  • Im Recruiting können sie Arbeitgeber persönlicher erlebbar machen und neue Zielgruppen erreichen.

  • Ein gutes Corporate-Influencer-Programm braucht Freiraum – aber auch klare Rollen, Leitlinien und Zeit.

  • Für den Einstieg eignet sich eine kleine Pilotgruppe mit Mitarbeitenden, die wirklich Lust darauf haben.

Mit Corporate Influencern sind Mitarbeitende gemeint, die auf ihren persönlichen Social-Media-Profilen Einblicke in ihren Arbeitsalltag und ihr Unternehmen geben. Eine hohe Reichweite müssen sie nicht von Anfang an mitbringen. Viel wichtiger sind Interesse am Thema, eine gewisse Social-Media-Affinität und die Bereitschaft, regelmäßig Einblicke zu teilen. Als persönliche Stimmen ihres Arbeitgebers können sie dessen Themen um ihre eigene Perspektive ergänzen.

Entscheidend ist dabei, dass die Posts tatsächlich etwas mit dem eigenen Arbeitsalltag zu tun haben – etwa Einblicke in Projekte, Arbeitsabläufe oder Team-Events geben. Dafür braucht es einen klaren Rahmen, der vorab festgelegt werden sollte – eine Art Social-Media-Strategie für die Corporate Influencer.

Diese Vorteile hat ein Corporate-Influencer-Programm

Indem Mitarbeitende über ihre Social-Media-Profile ihren Joballtag teilen, können sie das Personalmarketing ihres Arbeitgebers unterstützen. Dabei geht es nicht nur um offene Stellen. Sie geben potenziellen Bewerber:innen auch Einblicke in Aufgaben, Teams und Unternehmenskultur.

Wie relevant diese persönliche Ebene sein kann, zeigt eine 2026 veröffentlichte Studie mit 707 LinkedIn-Nutzer:innen in Deutschland. Sie zeigt: Je eher sich Menschen in einem Corporate Influencer wiederfinden, desto attraktiver nehmen sie auch den Arbeitgeber wahr. Dieser Zusammenhang war in der Studie stärker als die Passung zum Unternehmen oder zum Job selbst. (Hinweis: Die Untersuchung bezieht sich allerdings auf den stationären Lebensmitteleinzelhandel – die Ergebnisse lassen sich deshalb nicht einfach auf alle Branchen übertragen.)

Auch das persönliche Netzwerk der Mitarbeitenden kann fürs Recruiting interessant sein. Dort finden sich häufig Kontakte aus Ausbildung, Studium oder früheren beruflichen Stationen – und damit möglicherweise genau die Fachkräfte, die ein Unternehmen sucht.

Nicht nur das Recruiting, sondern auch die interne Kommunikation können Corporate Influencer unterstützen. Mitarbeitende, die etwa von ihren positiven Erfahrungen mit neu eingeführten Tools berichten, können dazu beitragen, deren Akzeptanz innerhalb der Belegschaft zu erhöhen.

Best Practices: So machen es Telekom und OTTO

Ein Beispiel liefert die Deutsche Telekom. Die Telekom Botschafter gibt es bereits seit 2015. Heute sind nach Angaben des Unternehmens rund 300 Mitarbeitende aus mehr als 15 Ländern aktiv. Das Engagement ist freiwillig und selbstorganisiert. Neue Botschafter:innen durchlaufen ein Onboarding und werden in der ersten Zeit von erfahrenen Kolleg:innen begleitet. In einigen Bereichen kann sogar ein Teil der Arbeitszeit für die Aktivitäten genutzt werden.

Auch OTTO setzt weiterhin auf Corporate Influencer. Das Unternehmen startete sein damaliges Jobbotschafter-Programm 2017 zunächst mit dem Ziel, Tech-Fachkräfte zu gewinnen. Heute steht neben dem Recruiting auch die Wahrnehmung von OTTO als Arbeitgeber und Unternehmen im Fokus. Mitarbeitende können sich unter anderem als Social-Media-Insider, Speaker oder Co-Recruiter einbringen.

Auch für kleinere Unternehmen können solche Programme interessant sein – gerade dann, wenn Mitarbeitende gut vernetzt sind und nah an den gesuchten Zielgruppen arbeiten.

Was ein Corporate-Influencer-Programm braucht

Der Einsatz von Corporate Influencern erfordert vom Unternehmen einen Vertrauensvorschuss. Schließlich gibt das Unternehmen ein Stück Hoheit über seine Kommunikation aus der Hand. Gleichzeitig brauchen Mitarbeitende einen Rahmen, in dem sie sich sicher bewegen können. Vier Punkte sollten Sie dabei beachten:

1. Zeit einplanen

Corporate Influencing passiert nicht einfach nebenbei. Beiträge vorzubereiten, sich auszutauschen oder an Schulungen teilzunehmen, kostet Zeit. Für den Start empfiehlt sich deshalb eine kleine Pilotgruppe. So lässt sich zunächst ausprobieren, was funktioniert und welche Unterstützung die Mitarbeitenden brauchen. In unseren Mandaten beobachten wir: Wenn von Beginn an ein festes Zeitkontingent für Corporate Influencing eingeplant ist, bekommt das Thema im Arbeitsalltag deutlich mehr Verbindlichkeit.

2. Rollen klären

Neben den Corporate Influencern selbst braucht es mindestens eine feste Ansprechperson. Sie koordiniert das Programm und hilft bei Fragen. Auch die Führungskräfte sollten mit eingebunden werden und den Mitarbeitenden die nötigen Freiräume geben.

3. Leitlinien festlegen

Social-Media-Leitlinien geben Orientierung: Was darf nach außen, was bleibt intern? Wie gehen wir mit Kommentaren und Kritik um? Was ist bei Bildern und Urheberrechten zu beachten? Gleichzeitig sollten die Regeln genug Raum lassen, damit die Mitarbeitenden mit ihrer eigenen Stimme kommunizieren können.

4. Fehler mitdenken

Ein Post wird missverstanden oder auf einem Foto ist etwas zu sehen, das nicht nach außen gehört. Das kann passieren. Deshalb sollte vorher klar sein, an wen sich Mitarbeitende in solchen Situationen wenden können und wie schnell reagiert wird.

Checkliste: Ist Ihr Corporate-Influencer-Programm startklar?

  • Ziel und Zielgruppen sind klar.

  • Eine kleine Gruppe motivierter Mitarbeitender ist gefunden.

  • Verantwortlichkeiten und Ansprechpersonen stehen fest.

  • Zeitliche Freiräume sind geklärt.

  • Social-Media-Leitlinien sind vorhanden und rechtlich geprüft.

  • Schulung und Austausch sind organisiert.

  • Der Umgang mit Fehlern und kritischen Situationen ist geklärt.

  • Es steht fest, woran der Erfolg gemessen werden soll.

Fazit

Der Einsatz von Corporate Influencern erfordert vom Unternehmen Vertrauen und den Mut, ein Stück Kontrolle über die Kommunikation abzugeben. Genau dieser Freiraum ermöglicht es den Mitarbeitenden, mit einer eigenen Stimme aufzutreten.

Corporate Influencer ersetzen dabei keine Employer-Branding-Strategie. Sie können sie aber um persönliche Einblicke ergänzen und gerade im Recruiting einen zusätzlichen Zugang zu potenziellen Bewerber:innen schaffen.

Wie Führungspersonen auf LinkedIn sichtbar werden können, zeigen wir im Beitrag „So positionieren sich Führungspersonen erfolgreich auf LinkedIn“. Unterstützung rund um Strategie, Content und die Befähigung von Mitarbeitenden bieten wir außerdem im Bereich LinkedIn Kommunikation.

Wenn Sie nach Unterstützung für Ihre Employer Branding Strategie suchen, nehmen Sie gerne Kontakt mit uns auf. 

FAQ

Häufige Fragen zu Corporate Influencern

Was ist ein Corporate Influencer?

Corporate Influencer sind Mitarbeitende, die auf ihren persönlichen Social-Media-Profilen Einblicke in ihren Arbeitsalltag und ihr Unternehmen geben. Sie berichten zum Beispiel über Projekte, Aufgaben oder die Zusammenarbeit im Team und ergänzen damit die klassische Unternehmenskommunikation um eine persönliche Perspektive.

Wer eignet sich als Corporate Influencer?

Geeignet sind vor allem Mitarbeitende, die freiwillig mitmachen, gerne kommunizieren und Themen aus ihrem Arbeitsalltag teilen möchten. Eine große Reichweite ist keine Voraussetzung. Wichtiger sind Motivation, fachliche Nähe zu den relevanten Zielgruppen und die Bereitschaft, regelmäßig aktiv zu sein.

Welche Plattform eignet sich für Corporate Influencer?

Das hängt von Zielgruppe und Thema ab. Für B2B-Kommunikation, Recruiting und fachliche Positionierung ist LinkedIn häufig besonders relevant. In anderen Zielgruppen können auch Instagram, TikTok oder weitere Plattformen sinnvoll sein. Entscheidend ist, wo die gewünschten Zielgruppen tatsächlich unterwegs sind.

Wieso sind Corporate Influencer sinnvoll für das Recruiting?

Corporate Influencer geben potenziellen Bewerber Einblicke in den Arbeitsalltag, die Unternehmenskultur und konkrete Aufgaben. Über ihre persönlichen Netzwerke können sie zudem Menschen erreichen, die über klassische Recruiting-Kanäle möglicherweise nicht auf das Unternehmen aufmerksam geworden wären.

Wie lässt sich der Beitrag von Corporate Influencern zum Recruiting messen?

Das hängt von den Zielen des Programms ab. Neben Reichweite und Interaktionen können etwa Klicks auf die Karriereseite, Rückmeldungen von Bewerber oder die Bewerbungsquelle Hinweise geben. Reichweite allein sagt noch wenig darüber aus, ob Corporate Influencer tatsächlich zum Recruiting beitragen.

Marina Fritz
Author:in Marina Fritz

consense communications GmbH (GPRA) Beraterin für interne Kommunikation, Change-Kommunikation und Employer Branding. Zertifizierte Change Managerin.