Nachhaltigkeitsberichte bleiben für Unternehmen relevant, obwohl deutlich weniger Firmen als ursprünglich geplant unter die CSRD fallen. Seit der Omnibus-I-Reform gelten neue Schwellenwerte. Gleichzeitig fragen Banken, Geschäftspartner und große Kunden weiterhin Nachhaltigkeitsdaten ab. Was gehört also in einen guten Nachhaltigkeitsbericht – und worauf sollten Unternehmen bei Inhalt und Kommunikation achten?
Mit der Omnibus-I-Richtlinie hat die EU den Kreis der Unternehmen, die künftig nach der Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) berichten müssen, deutlich verkleinert. Ab dem Geschäftsjahr 2027 gilt die Berichtspflicht grundsätzlich für Unternehmen, die sowohl mehr als 1.000 Beschäftigte als auch mehr als 450 Millionen Euro Nettoumsatz haben. Die ersten Berichte nach diesen neuen Vorgaben werden 2028 veröffentlicht.
Für KMU und viele größere Mittelständler entfällt damit die gesetzliche Berichtspflicht. Nachhaltigkeitsdaten bleiben dennoch relevant. Banken, Investoren, Kunden und größere Geschäftspartner fragen ESG-Informationen weiterhin ab – etwa für Finanzierungen oder Anforderungen entlang ihrer Wertschöpfungsketten.
Für Unternehmen außerhalb der CSRD-Berichtspflicht gibt es seit September 2026 den Voluntary Standard (VS). Er bietet einen einheitlichen Rahmen für die freiwillige Nachhaltigkeitsberichterstattung und hilft Unternehmen, ESG-Anfragen von Banken, Investoren und Geschäftspartnern strukturiert zu beantworten. Gleichzeitig begrenzt der Standard die Nachhaltigkeitsinformationen, die CSRD-pflichtige Unternehmen von Unternehmen mit bis zu 1.000 Beschäftigten in ihrer Wertschöpfungskette verlangen dürfen.
Doch was haben volle Windeln mit Nachhaltigkeitsberichten von Unternehmen zu tun? In meinen Augen sehr viel. Denn viele Firmen gestalteten diese bisher so wie unser Urlaubsanbieter sein Hotel: Die guten Dinge werden hervorgehoben, die nicht ganz so angenehmen Themen gar nicht erst erwähnt. Nachhaltigkeitsberichte werden so zu Imagebroschüren, in der es den unangenehmen Restmüll, der nicht zum leuchtenden Recyclingkonzept passt, schlichtweg nicht gibt. Offiziell. In der Hoffnung, dem oder der Durchschnittsleser:in fällt es nicht auf. Oft genug kamen Unternehmen damit durch. Ab jetzt wird das schwieriger. Nicht nur, weil es mit der neuen Richtlinie sehr konkrete, einheitliche Vorgaben zu erfüllen gilt, sondern auch, weil es inzwischen immer mehr Journalist:innen und Aktivist:innen gibt, die gerade im Bereich Nachhaltigkeit und Nachhaltigkeitsbericht ganz genau hinsehen und so genanntes Greenwashing anprangern. Mit Verschweigen oder Verschönern schneidet man sich dann ins eigene Fleisch – und verliert an Glaubwürdigkeit.
Aus diesem Grund sollten Unternehmen ihre Nachhaltigkeit ernst nehmen und vorbereitend auf die neue Verordnung einen Prozess aufsetzen. Das beginnt damit, innerhalb des eigenen Unternehmens eine:n CSR-Ansprechpartner:in zu ernennen, der oder die Daten sammelt, Wissen aufbaut und vor allem, unterstützt durch die Geschäftsleitung, die Verantwortung übernimmt. Eine Kommunikationsabteilung oder -agentur kann nur ergänzend unterstützen. Eine Investition in die Zukunft, die sich auszahlt. Denn das in Frage stellen der Produktions- und Arbeitsprozesse und der verwendeten Materialien kann auch Kosten senken. Zum Beispiel durch Einsparen von Strom oder Material oder durch kürzere Wege und damit weniger Transportkosten. Nur mit einem klar definierten Workflow, regelmäßigen Treffen bestimmter Arbeitsgruppen und einer ständigen Datenerhebung schaffen Firmen intern wie extern Transparenz – und finden Schwachstellen, die es zu verbessern gilt.
Um die Datenerhebung zu gewährleisten, braucht es eine ständige Dokumentation, die meist ohne die entsprechende Technik nicht möglich ist. Das bedeutet, dass eventuell auch in neue Software investiert werden muss. Gerade bei sehr komplexen Daten wie der Ermittlung von direkter und indirekter CO2-Emission (in der Fachsprache Scope 1 und Scope 2) empfehlen wir, auf externe, unabhängige Expert:innen zurückzugreifen. Die Daten müssen danach entsprechend aufbereitet und in Relation gesetzt werden – in Form von Texten, Infografiken oder Tabellen. Erst wenn die Daten in einen Kontext eingebettet werden, bekommen diese eine Bedeutung, können gedeutet und gewertet werden.
Doch Daten einmalig auszuwerten und allumfänglich sichtbar zu machen ist nicht genug. Das Unternehmen muss eine Perspektive aufzeigen, wohin die Reise gehen soll. Welche Strategie gibt es, um einerseits Produkte, Prozesse und Kosten zu optimieren und anderseits wesentliche Probleme gezielt anzugehen? Wie genau sollen sich die Zahlen in den nächsten fünf, zehn, fünfzehn Jahren verändern? Welche Zielwerte werden angestrebt?
Wichtig ist es hier, sich selbst nichts vorzumachen, sondern ambitionierte, aber realistische Ziele zu setzen. Denn genau das fordert die CSRD – nicht das Blaue vom Himmel zu versprechen, sondern sich selbst wirklichkeitsnah herauszufordern. Und alle Daten auch über Jahre hinweg vergleichbar auszuwerten und sichtbar zu machen – am besten in einer einheitlichen Darstellung gemäß einem vorher definierten Berichtsstandard wie dem Deutschen Nachhaltigkeitskodex (DNK).
In unserem konkreten Beispiel mit den Windeln bedeutet dies: Das Problem klar benennen (Wir brauchen eine Restmülltonne), eine Strategie für die Zukunft erarbeiten und offen kommunizieren (Wie wollen wir die Art der Mülltrennung verbessern?) und die Fortschritte (und auch Rückschläge) in den folgenden Nachhaltigkeitsberichten transparent zu dokumentieren.
Nur so wirkt ein Unternehmen authentisch – und ist für Kund:innen wie für Mitarbeitende glaubwürdig. Und dann klappt es zukünftig auch mit den Windeln.
Wenn wir Sie dabei unterstützen können, lesen Sie auf unserer Leistungsseite zur Nachhaltigkeitskommunikation. Oder kontaktieren Sie uns gerne direkt.
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Head of Sustainability consense communications GmbH (GPRA) Expertin für externe Unternehmenskommunikation und zertifizierte Nachhaltigkeitsmanagerin (DAM) mit exzellentem Mediennetzwerk.