In Produktion, Logistik oder Pflege entscheidet nicht die Zahl der Kanäle darüber, ob Informationen bei Mitarbeitenden ohne Schreibtisch ankommen, sondern ob jeder Kanal eine klare Aufgabe hat und ob die Schichtleitung vorbereitet ist.
Definition: Non-Desk-Kommunikation, auch Frontline-Kommunikation genannt, bezeichnet die interne Kommunikation mit Beschäftigten, die ohne festen Bildschirmarbeitsplatz und meist ohne Firmen-E-Mail-Adresse arbeiten – in Produktion, Logistik, Werkstatt, Pflege, Handel oder im Außendienst.
Beschäftigte ohne festen Schreibtisch sind mit der internen Kommunikation deutlich unzufriedener als der Rest der Belegschaft: Nur 34 Prozent bewerten sie positiv, insgesamt sind es 42 Prozent (Staffbase/YouGov 2025).
Besonders groß ist die Lücke bei der Führungskräftekommunikation. Nur 48 Prozent der Non-Desk-Beschäftigten fühlen sich von ihren Vorgesetzten gut oder sehr gut informiert. Bei Büroarbeitsplätzen sind es 65 Prozent.
Noch schwächer funktioniert der Rückkanal: Nur 39 Prozent haben den Eindruck, dass ihr Feedback in Veränderungsprozessen berücksichtigt wird. Unter Büroangestellten sind es 52 Prozent.
Die direkte Führungskraft bleibt deshalb der wichtigste Kommunikationskanal. Wenn Schicht- und Teamleitungen nicht frühzeitig informiert und vorbereitet werden, kann auch die beste Technik diese Lücke nicht schließen.
Eine Mitarbeiter-App kann helfen, ist aber meist nicht der erste Schritt. Zunächst müssen Zuständigkeiten, Inhalte und redaktionelle Abläufe geklärt sein.
Der Handlungsdruck wächst: Produktionsstandorte werden verkleinert, verlagert oder geschlossen. Gerade Beschäftigte in Produktion, Logistik oder Service sind von solchen Veränderungen häufig unmittelbar betroffen.
Auch die Einführung einer App ist kein reines IT-Projekt. Mitbestimmung, private Endgeräte und Arbeitszeit müssen früh geklärt werden. Wer den Betriebsrat erst kurz vor dem Rollout einbindet, riskiert unnötige Verzögerungen.
In vielen Unternehmen gibt es kommunikativ zwei Gruppen von Mitarbeitenden. Die eine sitzt am Bildschirm, hat eine Firmen-E-Mail-Adresse, Zugang zum Intranet und bekommt wichtige Informationen über mehrere Kanäle. Die andere arbeitet an der Linie, fährt Stapler, ist im Schichtdienst oder am Patientenbett – und erfährt Vieles später, manchmal erst über Umwege.
Diese Lücke ist nicht neu. Problematisch wird sie vor allem dann, wenn viel auf dem Spiel steht: bei neuen Schichtmodellen, einem Investitionsstopp, einer Standortveränderung oder einem Eigentümerwechsel. Gerade dann müssen Informationen schnell ankommen, verständlich sein und Rückfragen ermöglichen.
In unseren Projekten erleben wir häufig, dass Unternehmen an diesem Punkt zuerst über eine Mitarbeiter-App nachdenken. Das liegt nahe. Doch eine App löst noch kein Kommunikationsproblem – und ist deshalb meist nicht der erste Schritt.
Dieser Beitrag zeigt fünf Kanäle, die sich in Produktion und Schichtbetrieb bewährt haben, und erklärt, was Unternehmen klären sollten, bevor sie sich für eine Mitarbeiter-App entscheiden. Die strategische Einordnung finden Sie in unserem Guide zur internen Kommunikation.
Produzierende Unternehmen in Deutschland bauen Kapazitäten an heimischen Standorten ab – und Beschäftigte in der Produktion spüren die Folgen oft unmittelbar. Geopolitische Konflikte, neue Zollhürden und hohe Kosten führen dazu, dass Investitionen stärker ins Ausland verlagert werden. Die DIHK beschreibt die Folgen in ihrer Umfrage Auslandsinvestitionen der Industrie 2026 klar: Investieren Unternehmen vor allem aus Kostengründen im Ausland, geht das im Inland häufig mit weniger Investitionen, Personalabbau und kleineren oder geschlossenen Standorten einher.
Gerade solche Phasen – Kurzarbeit, Stellenabbau oder Verlagerungen – stellen besonders hohe Anforderungen an die interne Kommunikation und die Restrukturierungskommunikation. Gleichzeitig treffen sie eine Beschäftigtengruppe, die über die bestehenden Kanäle oft schlechter erreicht wird. Kurzarbeit spielt vor allem im produzierenden Gewerbe eine große Rolle; in vielen anderen Wirtschaftsbereichen ist sie deutlich seltener, wie die Daten der Bundesagentur für Arbeit zeigen.
Wer erst in der Krise beginnt, verlässliche Kommunikationswege in der Produktion aufzubauen, startet unter Zeitdruck. Bis dahin haben informelle Kanäle und Gerüchte oft längst übernommen. Deshalb sollte die Frage, wie Beschäftigte in Produktion und Schichtbetrieb zuverlässig erreicht werden, geklärt sein, bevor die nächste schwierige Ankündigung ansteht.
Kommunikationszugang ist Krisenvorsorge.
43 Prozent der Industrieunternehmen wollen 2026 im Ausland investieren, nach 40 Prozent im Vorjahr. Für 41 Prozent ist Kosteneinsparung das Hauptmotiv – der höchste Wert seit 2003 (DIHK, Auslandsinvestitionen der Industrie, April 2026).
Bei diesen Unternehmen liegt der Saldo der inländischen Beschäftigungsplanung bei minus 39 Punkten. Als Risiken nennen sie vor allem Arbeitskosten (71 Prozent) und wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen (70 Prozent).
Im Verarbeitenden Gewerbe arbeiteten zur Jahresmitte 2026 5,29 Millionen Menschen, 144.100 weniger als ein Jahr zuvor (minus 2,7 Prozent).
In der Automobilindustrie ging die Beschäftigung um 42.300 Personen zurück (minus 5,8 Prozent) auf 691.500 – der niedrigste Stand seit 2005 (Statistisches Bundesamt, 14. August 2026).
Kurzarbeit bleibt auf die Produktion konzentriert: Im Juni 2026 bezogen 1,5 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Verarbeitenden Gewerbe konjunkturelles Kurzarbeitergeld. Bundesweit waren es im Juli 118.000 Beschäftigte und damit 69.000 weniger als ein Jahr zuvor (Bundesagentur für Arbeit, Monatsbericht September 2026).
Viele Instrumente der internen Kommunikation setzen einen digitalen Arbeitsplatz voraus, den große Teile der Belegschaft schlicht nicht haben. E-Mail funktioniert nur mit persönlichem Konto, das Intranet nur mit regelmäßigem Zugang, Teams nur mit entsprechender Lizenz. Fehlt all das, bleiben oft Aushänge, Schichtübergaben und der direkte Austausch – und der Flurfunk ist meist schneller als jeder offizielle Kanal.
Hinzu kommen Bedingungen, die sich deutlich vom Büroalltag unterscheiden. Informationen müssen in kurze Zeitfenster passen: in die Pause, den Schichtbeginn oder die Übergabe. Häufig werden private Smartphones genutzt, was Fragen zu Datenschutz, Arbeitszeit und Freiwilligkeit aufwirft. Und in vielen Betrieben muss Kommunikation mehrere Sprachen abdecken, damit wichtige Botschaften wirklich bei allen ankommen.
Wie groß die Lücke ist, zeigen die Zahlen. Laut Employee Communication Impact Study 2025 von Staffbase und YouGov sind nur 34 Prozent der Beschäftigten ohne Schreibtisch mit der internen Kommunikation zufrieden; in der Gesamtbelegschaft sind es 42 Prozent. Auch bei der Führungskräftekommunikation zeigt sich ein deutlicher Abstand: 48 Prozent der Non-Desk-Beschäftigten fühlen sich von ihren Vorgesetzten gut oder sehr gut informiert, gegenüber 65 Prozent bei Beschäftigten mit Büroarbeitsplatz. Beim Eindruck, dass eigenes Feedback berücksichtigt wird, liegen die Werte bei 39 beziehungsweise 52 Prozent.
Die Lücke betrifft damit nicht nur die Reichweite von Informationen. Sie betrifft auch die Frage, ob Beschäftigte sich eingebunden und gehört fühlen.
Die direkte Führungskraft ist für Beschäftigte ohne Schreibtisch die wichtigste Informationsquelle, und die Schichtbesprechung ist das einzige Format, das sie zuverlässig alle erreicht. Fünf Minuten am Schichtbeginn wirken stärker als jede Push-Nachricht, weil Fragen sofort gestellt werden können.
Damit das trägt, braucht die Schichtleitung drei Dinge: die Information vor dem Team, höchstens eine Seite mit Kernbotschaften und Antworten auf die unangenehmen Fragen, und einen Weg, offene Punkte zurückzumelden. Ohne diese Vorbereitung wird aus dem besten Kanal eine Fehlerquelle, weil jede Schicht eine eigene Version erzählt. Wie wir Führungskräfte darauf vorbereiten, beschreiben wir auf unserer Seite zur Führungskräftekommunikation.
Eine Mitarbeiter-App schließt die Lücke zwischen Unternehmen und Belegschaft ohne Firmen-E-Mail-Adresse, weil sie auf dem Gerät landet, das ohnehin jede:r dabeihat. Gute Lösungen arbeiten mit Push-Nachrichten, Zielgruppen nach Standort und Schicht, Übersetzung und Offline-Nutzung.
Der Nutzen hängt an drei Bedingungen. Es braucht Inhalte, die den Arbeitsalltag betreffen, nicht nur Unternehmensnews. Es braucht eine Redaktion, die die App auch in ruhigen Wochen pflegt. Und es braucht eine Vereinbarung mit dem Betriebsrat, die Freiwilligkeit, Arbeitszeit und private Endgeräte regelt. Eine Übersicht über Anbieter folgt unten.
Digital Signage erreicht alle, die einen Weg durch das Werk nehmen, ohne dass jemand eine App öffnen oder sich anmelden muss. Gute Orte sind Werkseingang, Kantine, Pausenraum, Umkleide und Aufzug. Der Vorteil ist die Selbstverständlichkeit: Niemand muss sich entscheiden, diesen Kanal zu nutzen.
Die Grenze liegt in der Tiefe. Ein Bildschirm trägt eine Botschaft, keine Erklärung, und er funktioniert nur mit kurzen Texten und wechselnden Inhalten. Als Verstärker für die Schichtbesprechung ist er stark, als Hauptkanal überfordert.
Papier ist in der Produktion kein Rückschritt, sondern oft der einzige Kanal, der ohne Technik und ohne Sprachbarriere funktioniert. Drei Formate haben sich bewährt: ein - oftmals mehrsprachiger - Aushang, der nur eine Sache sagt und ein Datum trägt; eine kurze Werkszeitung für Hintergründe, die niemand am Bildschirm liest; und die Beilage zur Lohnabrechnung, die erfahrungsgemäß fast alle öffnen.
Print ist langsam und teuer, deshalb gehört er nicht in die laufende Information. Für Entscheidungen, die Menschen mit nach Hause nehmen und mit der Familie besprechen, ist er genau richtig. Wie sich Print und digitale Kanäle sinnvoll ergänzen, zeigt auch unser Beitrag zum internen Newsletter.
Der schwächste Wert in allen Studien betrifft das Zuhören: Nur 39 Prozent der Beschäftigten ohne Schreibtisch glauben, dass ihr Feedback in Veränderungen berücksichtigt wird. Dagegen hilft kein Formular, sondern ein Format mit Gesichtern. Bewährt haben sich Townhalls in der Schicht statt zur Bürozeit, Werksrundgänge der Geschäftsführung mit festen Fragerunden und ein Sounding Board, das zur Hälfte aus Produktion und Logistik besteht.
Entscheidend ist die Antwort. Wer Fragen sammelt und nicht sichtbar beantwortet, schwächt den Kanal dauerhaft, weil beim zweiten Mal niemand mehr fragt. Formate und Ablauf dafür entwickeln wir mit Ihnen unter Mitarbeiterevents.
In vielen Betrieben läuft die schnellste Kommunikation längst über WhatsApp-Gruppen der Schichten – meist organisiert von den Beschäftigten selbst. Das zeigt, wie groß der Bedarf nach einem einfachen, direkten Kanal ist. Gleichzeitig entstehen neue Probleme: Private Telefonnummern werden sichtbar, Informationen lassen sich kaum systematisch dokumentieren und dienstliche Anweisungen landen in einem privaten Messenger.
Der richtige Schluss daraus ist nicht, diesen Bedarf zu ignorieren, sondern einen offiziellen Kanal anzubieten, der ähnlich einfach funktioniert – schnell, mobil und ohne große Hürden.
Wo WhatsApp selbst als offizieller Kanal sinnvoll sein kann und wo die Grenzen liegen, haben wir in einem eigenen Beitrag zusammengefasst: WhatsApp Channels sinnvoll nutzen.
Der Markt für Mitarbeiter-Apps ist in den vergangenen Jahren deutlich unübersichtlicher geworden. Viele Vergleiche im Netz stammen zudem von den Anbietern selbst. Diese Übersicht verzichtet deshalb bewusst auf ein Ranking und konzentriert sich auf die Kriterien, die für eine erste Auswahl wirklich relevant sind: Für welche Unternehmensgrößen positioniert sich ein Anbieter? Welche Funktionen bietet er für Produktions- und Non-Desk-Belegschaften? Und wo werden die Daten gespeichert? Die Angaben beruhen auf Informationen der Anbieter, Stand Oktober 2026.
Anbieter | Passt für | Stärke für Produktion | Sitz, Hosting, Preis |
LOLYO | Unternehmen jeder Größe; Preismodell getrennt bis 500 und ab 500 Mitarbeitende | Soziales Intranet mit Messenger, Punktesystem zur Aktivierung, 60 Tage Test ohne Anfrage | Österreich, Hosting in deutscher Cloud. 2,10 € pro Person und Monat plus 109 € Grundpreis bis 500 Mitarbeitende; ab 500 ab 0,99 € plus 4.990 € Einrichtung |
teamly | Mittelstand, laut Anbieter 100 bis 1.000 Mitarbeitende | Schichtplanung, Urlaubsanträge, Kantinenbestellung; App im eigenen Unternehmensdesign | Deutschland, ISO 27001, deutsche Server. Paket Pro 590 € pro Monat, größere Pakete auf Anfrage |
Quiply | Mittelstand bis Großunternehmen mit hohem Anteil an Non-Desk-Mitarbeitenden | Branchenzuschnitt für Industrie, Pflege, Bau und Logistik; über 450 Kunden | Köln, DSGVO-konform, Serverstandort nicht veröffentlicht. Preis auf Anfrage |
HUMANSTARS | Mittelstand bis Konzern, über 1.000 Unternehmen | Digital Signage, Übersetzung in Echtzeit, Anbindung an SAP, SharePoint und Active Directory | Deutschland, BSI C5 und ISO 27001, Server ausschließlich in Deutschland. Preis auf Anfrage |
Flip | Unternehmen mit großen Frontline-Belegschaften; Schwerpunkt Industrie, Handel, Logistik | Anmeldung ohne E-Mail-Adresse über Passkey oder QR-Code, Offline-Nutzung, HR-Self-Service | Stuttgart, ISO 27001 und SOC 2, Verarbeitung in Europa. Preis auf Anfrage |
Staffbase | Konzerne und große Mittelständler mit redaktionellem Anspruch | App ohne E-Mail-Konto, Schichtpläne und Richtlinien, Intranet und App aus einer Hand | Chemnitz, DSGVO und EU AI Act, Hosting in der EU, Nordamerika oder Australien. Preis auf Anfrage |
LumApps mit Beekeeper | Konzerne mit vielen Standorten und Sprachen | Nachrichten nach Rolle, Schicht und Standort, Schichttausch, Checklisten und Vorfallmeldungen, Training in über 200 Sprachen | LumApps Frankreich, Beekeeper Zürich. Serverstandorte nicht öffentlich benannt, Preis auf Anfrage |
Zwei Hinweise zur Marktlage. Beekeeper gehört seit Juli 2025 zu LumApps. Nach Angaben des Anbieters soll die gemeinsame Plattform innerhalb von 12 bis 18 Monaten entstehen. Wer Beekeeper in eine Ausschreibung aufnimmt, sollte deshalb genau nach der Produkt-Roadmap und dem Support für die bestehende Lösung fragen.
Unternehmen, die bereits Microsoft 365 nutzen, sollten außerdem prüfen, was Viva Engage und SharePoint schon abdecken. Häufig fehlt weniger die Funktion als der einfache Zugang für Beschäftigte ohne eigene Lizenz oder festen digitalen Arbeitsplatz.
Wie die Einführung einer solchen Plattform in der Praxis ablaufen kann, beschreiben wir in unserem Beitrag zur Implementierung eines Social Intranets.
Wie melden sich Menschen ohne Firmen-E-Mail an? Passkey, QR-Code oder Personalnummer entscheiden über die Aktivierungsquote mehr als jede Funktionsliste.
Wer redigiert, und wer darf veröffentlichen? Ohne benannte Redaktion und ohne Rechte für die Standorte verwaist jede App innerhalb eines Jahres.
Funktioniert der Kanal ohne Netz? In Hallen, Kühlbereichen und Tiefgaragen entscheidet die Offline-Fähigkeit über die tatsächliche Reichweite.
Welche Sprachen braucht die Belegschaft wirklich? Maschinelle Übersetzung reicht für Nachrichten, nicht für Sicherheitsanweisungen.
Was sagt der Betriebsrat? Die Einführung berührt in der Regel Mitbestimmung, private Geräte und Erreichbarkeit. Diese Punkte gehören vor die Auswahl, nicht danach.
Woran messen wir den Erfolg? Aktivierungsquote, Lesequote in der Produktion und Rückmeldungen pro Monat sind belastbarer als die Zahl der Beiträge.
Die Kanäle ähneln sich in vielen Branchen – ihre Bedeutung aber nicht. In der Industrie sind Meister und Schichtleitungen oft die wichtigsten Multiplikatoren. Bildschirme an zentralen Punkten im Werk können zusätzlich viel Reichweite schaffen, und mehrsprachige Kommunikation gehört in vielen Betrieben zum Alltag.
In Logistik und Außendienst sieht es anders aus: Wo es keinen gemeinsamen Arbeitsort gibt, wird eine App schnell zum wichtigsten Zugang zur internen Kommunikation.
In Kliniken und Pflegeeinrichtungen wiederum konkurriert jede Information mit dem laufenden Betrieb und der Versorgung am Bett. Hier kommt es besonders darauf an, was in Übergaben, kurzen Briefings und über direkte Führung tatsächlich ankommt. Welche Kanäle sich im Krankenhaus bewähren, haben wir in einem eigenen Beitrag zusammengefasst: Intranet reicht nicht.
Am besten über mehrere Wege gleichzeitig: über die direkte Führungskraft in der Schicht- oder Teamrunde, über eine Mitarbeiter-App und über Informationen direkt am Arbeitsplatz, etwa auf Bildschirmen oder Aushängen. Welcher Kanal dabei die größte Rolle spielt, hängt vom Arbeitsalltag ab. In der Produktion gibt es meist einen gemeinsamen Ort und feste Übergaben oder Schichtzeiten. In Logistik und Außendienst fehlen diese gemeinsamen Momente oft – dort gewinnt der mobile Zugang deutlich an Bedeutung.
Viele Anbieter veröffentlichen keine festen Preise und rechnen pro Nutzer und Monat ab, häufig ergänzt um eine Grundgebühr oder einmalige Kosten für Einrichtung und Einführung. Öffentlich genannt werden zum Beispiel bei LOLYO 2,10 Euro pro Person und Monat plus 109 Euro Grundpreis für bis zu 500 Mitarbeitende sowie bei teamly 590 Euro monatlich für das Pro-Paket. Wichtig für die Kalkulation: Zu den Lizenzkosten kommt interner Aufwand hinzu – etwa für Einführung, Redaktion, Moderation und laufende Pflege. Diese Kosten stehen in keinem Softwareangebot, fallen im Unternehmen aber trotzdem an.
In vielen Fällen ja. Je nach Funktionen der App können Mitbestimmungsrechte berührt sein, etwa wenn Nutzungsdaten ausgewertet werden oder die Anwendung Rückschlüsse auf Verhalten und Leistung zulässt. Werden private Smartphones genutzt, kommen weitere Fragen hinzu – zum Beispiel zu Freiwilligkeit, Datenschutz und Erreichbarkeit außerhalb der Arbeitszeit. Diese Punkte sollten vor dem Rollout verbindlich geregelt und arbeitsrechtlich geprüft werden. In unseren Projekten beziehen wir den Betriebsrat deshalb von Anfang an ein – nicht erst, wenn die App bereits ausgewählt ist.
Ja, aber die Nutzung sollte freiwillig sein. Wer die App nicht auf dem privaten Gerät installieren möchte, darf dadurch keinen Nachteil haben. Deshalb braucht es für wichtige Informationen immer einen zweiten, gleichwertigen Weg – zum Beispiel über Aushänge, Bildschirme oder die direkte Führungskraft. Freiwilligkeit ist dabei nicht nur eine rechtliche Frage. Sie entscheidet auch über Akzeptanz: Je klarer Beschäftigte wissen, dass sie selbst wählen können, desto eher wird ein neuer Kanal tatsächlich genutzt.
Mit einer Kombination aus Reichweite, Verständnis und Rückmeldung. Sinnvoll sind zum Beispiel die Aktivierungsquote einer Mitarbeiter-App je Standort, kurze Pulse Checks in den Schichten und die Frage, wie viele Rückmeldungen tatsächlich beantwortet oder weiterverfolgt wurden. Reine Klick- oder Öffnungszahlen reichen dafür nicht aus. Sie zeigen vor allem, ob ein Kanal genutzt wurde – nicht, ob eine Botschaft verstanden wurde oder im Arbeitsalltag etwas verändert hat.
Nicht grundsätzlich. Eine App ist schneller, aktueller und lässt sich gezielt an einzelne Standorte oder Gruppen ausspielen. Ein Aushang erreicht dafür auch Beschäftigte, die kein Smartphone nutzen wollen oder während der Arbeit keinen digitalen Zugang haben. In der Praxis funktioniert deshalb meist die Kombination am besten. Entscheidend ist, vorher festzulegen, welche Informationen über welchen Kanal laufen – und welche Botschaften bewusst auf mehreren Wegen verbreitet werden.
Bei der Schichtleitung. Ein verlässliches Briefing vor wichtigen Ankündigungen, eine kompakte Seite mit Kernbotschaften und Antworten sowie ein fester Rückkanal für Fragen kosten kaum zusätzliches Budget – und schaffen oft mehr als ein neuer Kanal allein. Wer hier sauber aufsetzt, kann später immer noch Technik ergänzen.
Die Lücke zu Beschäftigten ohne Schreibtisch ist gut belegt – und sie betrifft Information ebenso wie Mitsprache.
Der wichtigste Kanal bleibt die Schichtbesprechung. Sie funktioniert aber nur, wenn die Führungskraft vor dem Team informiert und vorbereitet ist.
Eine Mitarbeiter-App löst ein Zugangsproblem, aber kein Inhaltsproblem. Ohne klare Zuständigkeiten und Redaktion verwaist sie schnell.
Jeder Kanal braucht eine klare Aufgabe. Zwei gut abgestimmte Kanäle erreichen oft mehr als fünf, deren Rollen unklar sind.
Vertrauen entsteht auch über den Rückweg. Wer Fragen sammelt, aber nicht beantwortet, schwächt den Kanal auf Dauer.
Wer Beschäftigte ohne Schreibtisch zuverlässig erreichen will, sollte nicht mit der Technik beginnen, sondern mit der Kommunikationsarchitektur: Welcher Kanal übernimmt welche Aufgabe – und wer ist dafür verantwortlich?
Die Schichtleitung schafft Einordnung und Gespräch, die App Reichweite, Bildschirme Präsenz am Arbeitsplatz, Print vertieft Themen und Dialogformate sorgen für den Rückweg. Erst wenn diese Rollen geklärt sind, lohnt sich die Frage, welches technische Produkt dazu passt.
Wie wir eine solche Architektur gemeinsam mit Unternehmen entwickeln, beschreiben wir auf unserer Seite zur internen Kommunikation. Die strategische Grundlage finden Sie in unserem Guide zur internen Kommunikation.
Bildnachweis: KI-generiert (ChatGPT Images).
Inhaberin und Geschäftsführerin consense communications GmbH (GPRA) Claudia Thaler ist Gründerin und Geschäftsführerin der PR-Agentur consense communications GmbH (GPRA) in München. Seit über 25 Jahren begleitet sie mittelständische Unternehmen, DAX-Konzerne und NGOs im Bereich strategische Kommunikation. Dazu zählen Reputationsmanagement und PR, Change, Krisenkommunikation sowie interne Kommunikation. Seit 2024 liegt ihr Schwerpunkt auf KI-getriebenen Veränderungen in der Kommunikation. Sie ist zertifizierte systemische Coachin (IFW - Institut für Fort- und Weiterbildung) und seit März 2025 GPRA-Präsidiumsmitglied.