Das mittlere Management entscheidet, ob Veränderungen im Alltag ankommen, und wird dabei häufig zu spät informiert und zuerst um Antworten gebeten.
Dieser Beitrag ist Teil 2 der Serie „Führen in Veränderung" · Teil 1: Führungskräftekommunikation – was sie ist und wie sie im Wandel gelingt · Teil 3: Führungskommunikation im KI-Zeitalter – folgt*
Definition: Die Sandwichposition beschreibt die Lage von Führungskräften im mittleren Management, die Erwartungen der Unternehmensleitung und die Fragen ihrer Teams gleichzeitig bedienen müssen – bei begrenztem Einfluss auf die Entscheidungen selbst.
Die Sandwichposition betrifft vor allem Team-, Abteilungs- und Bereichsleitungen: Sie stehen zwischen den Erwartungen der Unternehmensleitung und den Fragen aus ihren Teams.
Nur 27 % der Führungskräfte in Deutschland fühlen sich in ihrer Rolle unterstützt und gefördert (Gallup 2026).
Nur 17 % der Beschäftigten sagen, ihre Führungskraft inspiriere sie dazu, mehr zu leisten, als sie sich selbst zutrauen (Gallup 2026).
73 % der Organisationen halten es für wichtig, die Rolle von Führungskräften neu zu denken, aber nur 7 % kommen dabei gut voran (Deloitte Global Human Capital Trends 2025).
Die Hürden sind bekannt: 63 % der Kommunikationsverantwortlichen nennen Zeitmangel, wenn Führungskräfte eingebunden werden sollen, 38 % unklare Rollenverteilungen (Trendmonitor Interne Kommunikation 2026).
Die Coverdale-Studie „Zukunft von Führung“ beschreibt eine typische Wirkungskette: Organisationen verlagern Druck auf Einzelne und setzen auf deren Selbstführung, während unklare Prozesse und Rollenkonflikte bestehen bleiben (Coverdale 2026).
Wirksam wird diese Ebene, wenn sie vor ihren Teams informiert ist, eigene Fragen klären kann und einen Rückkanal hat, auf den tatsächlich Antworten folgen.
Führungskräfte im mittleren Management stehen in Veränderungen oft zwischen zwei Seiten: Sie sollen Entscheidungen aus der Unternehmensleitung vermitteln und zugleich die Fragen, Sorgen und Reaktionen ihrer Teams auffangen. Dabei fehlen ihnen häufig selbst noch Informationen, Orientierung, Einordnung und konkrete Antworten. Diese Sandwichposition ist keine Randerscheinung. Gerade hier entscheidet sich, ob Veränderungen verstanden und im Alltag tatsächlich umgesetzt werden.
Dieser Beitrag ist der zweite Teil unserer Serie „Führen in Veränderung“. Während Teil 1 die Aufgaben der verschiedenen Führungsebenen im Überblick beschreibt, richtet sich der Blick diesmal auf die Ebene, die häufig besonders unter Druck steht: Das mittlere Management. Was macht die Sandwichposition aus? Warum wird sie anspruchsvoller? Und was können Führungskräfte und Unternehmen tun, damit das mittlere Management Veränderung gut begleiten kann?
Der Begriff beschreibt eine Doppelrolle: Führungskräfte im mittleren Management empfangen Entscheidungen und müssen sie zugleich in ihre Teams tragen. Nach oben geben sie Rückmeldung, nach unten erklären und ordnen sie ein. Das betrifft Teamleitungen genauso wie Abteilungs-, Bereichs- oder Werksleitungen – und in Kliniken etwa Oberärzt:innen, Stations- und Pflegedienstleitungen.
Die eigentliche Herausforderung ist dabei oft nicht die zusätzliche Arbeit, sondern der Umgang mit widersprüchlichen Erwartungen. Die Unternehmensleitung erwartet Loyalität, das Team Offenheit und klare Antworten. Beides lässt sich grundsätzlich miteinander verbinden – vorausgesetzt, Führungskräfte verstehen, warum eine Entscheidung getroffen wurde, wissen, was sie dazu sagen können und verfügen über die notwendigen Skills.
In unserer Beratungspraxis erleben wir häufig, dass Führungskräfte in Veränderungsprozessen zu funktional gedacht werden: als Element einer Kommunikationskaskade. „Das übernehmen dann die Führungskräfte“, heißt es in der Planung. Gleichzeitig hören wir von Führungskräften immer wieder: „Ich erfahre es, wenn alle es erfahren.“ Das passt nicht zusammen. Denn Führungskräfte sind keine reinen Übermittler von Botschaften. Unmittelbar nach einer Ankündigung kommen die Fragen aus dem Team – zu Hintergründen, Konsequenzen und persönlichen Auswirkungen. Dann zeigt sich, ob eine Führungskraft einordnen und Orientierung geben kann oder selbst erst nach Antworten suchen muss.
Drei Entwicklungen kommen zusammen. Veränderungen folgen heute oft so dicht aufeinander, dass die eine noch nicht abgeschlossen ist, wenn die nächste beginnt. Gleichzeitig werden Hierarchieebenen zusammengelegt, Führungsspannen wachsen und für das einzelne Gespräch bleibt weniger Zeit. Und ausgerechnet diese Führungsebene soll eine maßgebliche Rolle in Veränderungsprozessen übernehmen.
Genau hier liegt ein blinder Fleck: Das mittlere Management wird häufig zu funktional gedacht. Führungskräfte sollen Entscheidungen einordnen, Orientierung geben, Fragen auffangen und ihre Teams durch die Veränderung führen. Sie selbst waren aber weder Teil der Entscheidung noch haben sie denselben Wissensstand wie diejenigen, die den Prozess seit Wochen oder Monaten begleiten. Sie steigen deutlich später ein – und sollen dann mithilfe eines Toolkits innerhalb kürzester Zeit von null auf hundert startklar sein.
Das kann nicht funktionieren. Denn ein Toolkit kann Wissen strukturieren und Kommunikation erleichtern. Es kann aber nicht ersetzen, was Führung in Veränderung braucht: Zeit, um selbst zu verstehen, eine eigene Haltung zu entwickeln und Sicherheit im Umgang mit offenen Fragen zu gewinnen. Wer Führungskräfte als Leadership-Persönlichkeiten braucht, darf sie nicht wie das letzte funktionale Glied einer Kommunikationskaskade behandeln.
Wie angespannt die Lage ist, zeigen auch aktuelle Zahlen. Laut Gallup (2026) fühlen sich in Deutschland nur 27 Prozent der Führungskräfte in ihrer Rolle ausreichend unterstützt und gefördert. Zugleich sagen nur 17 Prozent der Beschäftigten, ihre Führungskraft inspiriere sie dazu, mehr zu leisten, als sie sich selbst zutrauen. Das eine hat mit dem anderen zu tun: Wer selbst wenig Rückhalt erlebt, kann seinem Team nur schwer Sicherheit und Zuversicht vermitteln.
Viele Unternehmen sehen, dass sich Führung verändern muss. In der Umsetzung kommen sie aber nur langsam voran. Laut Deloitte (2025) halten 73 Prozent der Organisationen eine Neuausrichtung für wichtig, nur 7 Prozent sehen sich dabei bereits gut aufgestellt. Die Folge: Der Anspruch an Führung verändert sich schneller als die Strukturen, in denen Führungskräfte arbeiten.
Dasselbe Bild zeigt sich in der Internen Kommunikation. Im Trendmonitor Interne Kommunikation 2026 von SCM und Staffbase nennen 63 Prozent der 431 Befragten Zeitmangel als größte Hürde, wenn Führungskräfte stärker in die Kommunikation eingebunden werden sollen. 38 Prozent verweisen auf unklare Rollen, 35 Prozent auf mangelnde Motivation. Gerade die unklaren Rollen sind für die Sandwichposition entscheidend: Wer nicht weiß, was er selbst entscheiden, zusagen oder kommunizieren darf, kann gegenüber dem eigenen Team nur schwer souverän auftreten.
Die Coverdale-Studie „Zukunft von Führung“ (Coverdale 2026) beschreibt dahinter ein grundsätzliches Problem: Organisationen reagieren auf steigenden Druck häufig mit der Erwartung, Führungskräfte müssten sich einfach besser organisieren, resilienter werden oder mehr Selbstverantwortung übernehmen. Doch damit verschwinden unklare Prozesse, fehlende Prioritäten und ungelöste Rollenkonflikte nicht. Individuelle Stärke kann helfen, mit Belastung umzugehen. Strukturelle Probleme löst sie nicht.
Viele Reibungen entstehen, weil Geschäftsführung und mittleres Management nicht klar voneinander abgrenzen, wer wofür verantwortlich ist. Die folgende Übersicht zeigt, welche Aufgaben bei welcher Ebene liegen.
Aspekt | Geschäftsführung | Mittleres Management |
Richtung | begründet Entscheidung und Zeitpunkt | übersetzt beides in Prioritäten für den eigenen Bereich |
Nähe | spricht zu allen, selten mit Einzelnen | führt individuelle Gespräche, in denen Fragen wirklich gestellt werden |
Information | kennt Hintergründe, Alternativen und Zeitplan | erfährt häufig nur das Ergebnis |
Spielraum | entscheidet über Rahmen und Tempo | entscheidet über Reihenfolge, Ton und Formate im Team |
Rückmeldung | erhält verdichtete Berichte | hört Zwischentöne und Gerüchte zuerst |
Daraus ergibt sich eine klare Aufgabenteilung: Wer eine Entscheidung trifft, muss sie so erklären, dass die nächste Ebene sie nachvollziehen kann. Und wer sie ins Team trägt, sollte zurückmelden, wo Fragen, Zweifel oder Widerstände entstehen.
Wie diese Übersetzung über mehrere Ebenen hinweg strukturiert gelingt, beschreiben wir auf unserer Seite zur Kaskadenkommunikation.
Vier Muster begegnen uns in der Beratung besonders häufig. Sie entstehen meist nicht aus Nachlässigkeit, sondern aus dem Versuch, gleichzeitig den Erwartungen der Unternehmensleitung und des eigenen Teams gerecht zu werden.
Die Loyalitätsfalle: Die Führungskraft repräsentiert und vermittelt eine Entscheidung, obwohl sie selbst noch Zweifel oder offene Fragen hat. Das Team merkt schnell, wenn Worte und Haltung nicht zusammenpassen – und beginnt, an der Botschaft zu zweifeln.
Die Verbundenheitsfalle: Gerade in Restrukturierungen oder bei Personalabbau fühlen sich Führungskräfte häufig stärker ihrem Team verbunden als der Unternehmensleitung. Das ist menschlich nachvollziehbar, kann aber die Kommunikation verändern: Botschaften werden aus vermeintlicher Rücksicht abgeschwächt, umgedeutet oder mit der eigenen Distanzierung versehen. Aus „Wir müssen diesen Schritt gehen“ wird dann schnell ein „Die da oben haben entschieden“. Was kurzfristig Nähe zum Team schafft, schwächt die eigene Führungsrolle und die Glaubwürdigkeit der Veränderung.
Die Kompetenzfalle: Von Führungskräften wird erwartet, dass sie auch schwierige Botschaften klar, transparent und gleichzeitig empathisch vermitteln. Doch wie gut sind sie darauf tatsächlich vorbereitet? Gerade Restrukturierungen, Personalabbau oder tiefgreifende Veränderungen verlangen kommunikative Fähigkeiten, die nicht automatisch mit einer Führungsposition kommen. Wer nie gelernt und geübt hat, Unsicherheit auszuhalten, schwierige Fragen zu beantworten oder auch einmal zu sagen „Das weiß ich noch nicht“, kann diese Kompetenz nicht auf Knopfdruck abrufen.
Die Pufferfalle: Kritik aus dem Team wird nach oben abgeschwächt, während der Druck von oben ungefiltert nach unten weitergegeben wird. Kurzfristig kann das Ruhe schaffen. Langfristig erfährt die Unternehmensleitung zu spät, wo Widerstand entsteht, welche Sorgen die Menschen beschäftigen oder wo etwas nicht funktioniert.
Die Informationsfalle: Aus Angst, etwas Falsches zu sagen, wartet die Führungskraft lieber, bis alle Details geklärt sind. Das Problem: In der Zwischenzeit entsteht ein Vakuum, das Gerüchte und Flurfunk schnell füllen. Gerade in Veränderungsprozessen bedeutet gute Kommunikation nicht, auf jede Frage bereits eine Antwort zu haben. Auch Klarheit darüber, was noch offen ist, schafft Orientierung.
Die Einmalfalle: Nach der ersten Ankündigung gilt das Thema als kommuniziert. Dabei beginnen die eigentlichen Fragen oft erst später – nämlich dann, wenn die Veränderung im Arbeitsalltag konkret wird. Kommunikation in Veränderungsprozessen ist deshalb kein einzelner Moment, sondern ein fortlaufender Führungsprozess.
Die Folgen zeigen sich auch auf Seiten der Beschäftigten: 27 Prozent sind mit der Klarheit der Veränderungskommunikation in ihrem Unternehmen unzufrieden (Staffbase/YouGov 2025).
Warum Führungskräfte und Belegschaft Veränderungen häufig in unterschiedlichem Tempo erleben, beschreiben wir in unserem Beitrag „Jetlag in der Change Kommunikation verstehen“.
Vor dem Teamgespräch Klarheit schaffen. Drei Fragen an die eigene Führungskraft helfen: Warum jetzt? Was ist entschieden, was noch offen? Und was kann ich bereits weitergeben? Fehlen diese Antworten, startet das Gespräch mit dem Team unnötig unter Druck.
Eine Entscheidung vertreten, ohne sie zur eigenen zu machen. Führungskräfte müssen nicht so tun, als hätten sie jede Entscheidung selbst getroffen. Glaubwürdiger ist eine klare Haltung: „Ich kann die Gründe nachvollziehen – und ich sehe, was das für uns bedeutet.“
Unsicherheit offen benennen. Nicht auf jede Frage sofort eine Antwort zu haben, ist kein Problem. Entscheidend ist, Verbindlichkeit zu schaffen: „Das weiß ich noch nicht. Ich kläre es und melde mich bis Donnerstag.“
Fragen aus dem Team zurückspiegeln. Wer wiederkehrende Fragen, Sorgen oder Einwände sammelt und in die nächste Führungsrunde mitnimmt, wird zum wichtigen Rückkanal. So entsteht Kommunikation in beide Richtungen – statt nur von oben nach unten.
Die eigene Belastung nicht ausblenden. Wer über längere Zeit Unsicherheit auffängt und Orientierung geben soll, braucht selbst Austausch und Rückhalt – etwa durch Coaching, kollegiale Beratung oder feste Führungsrunden. Diesem Thema widmen wir einen eigenen Teil der Serie (folgt).
Die Sandwichposition gehört zum mittleren Management und lässt sich nicht einfach abschaffen. Unternehmen können aber viel dafür tun, dass Führungskräfte darin nicht aufgerieben werden. Aus unserer Beratungspraxis haben sich vor allem sechs Dinge bewährt:
Einen echten Vorsprung geben. Führungskräfte sollten Entscheidungen vor der Belegschaft erfahren und genug Zeit haben, um eigene Fragen zu klären, Zusammenhänge zu verstehen und eine eigene Haltung zu entwickeln. Ein paar Stunden Vorlauf reichen dafür oft nicht.
Antworten mitdenken. Zu einer wichtigen Botschaft gehören auch Antworten auf die Fragen, die im Team mit hoher Wahrscheinlichkeit kommen. Eine Toolbox ohne Q&A verlagert die schwierigste Arbeit auf die Führungskräfte.
Rückfragen verbindlich aufnehmen. Es braucht einen festen Ort, an dem Fragen aus den Teams gesammelt und beantwortet werden. Entscheidend ist weniger das Tool als die Verlässlichkeit: Wer eine Frage weitergibt, sollte auch eine Antwort bekommen.
Entscheidungsspielräume klären. Führungskräfte müssen wissen, was sie selbst entscheiden dürfen und wo ihre Grenzen liegen. Fehlt diese Klarheit, entstehen Erwartungen, die sie kaum erfüllen können.
Kommunikationssupport von Anfang an mitplanen. In die Entwicklung eines Change Narrativs fließen häufig viel Zeit und Expertise. Geschäftsführung und Entscheider werden auf Auftritte, kritische Fragen und schwierige Gespräche vorbereitet. Auf der mittleren Führungsebene heißt es dagegen nicht selten: „Das übernehmen jetzt die Führungskräfte“ – im besten Fall begleitet von einem Toolkit. Das greift zu kurz. Denn genau dort findet ein wesentlicher Teil der Veränderungskommunikation statt: im direkten Gespräch, in der Einordnung und in der Übersetzung auf den konkreten Arbeitsalltag. Führungskräftekommunikation sollte deshalb von Beginn an ein eigener Teil der Change-Architektur sein – mit Zeit für Einordnung, Austausch und Vorbereitung.
Kommunikationskompetenz langfristig aufbauen. Gerade weil das mittlere Management häufig eine große Zahl von Führungskräften umfasst, lässt sich kommunikative Sicherheit nicht im Ernstfall von null auf hundert herstellen. Hier müssen HR und Kommunikation enger zusammendenken: People Development sollte die Fähigkeit, klar, transparent und empathisch zu kommunizieren, mit Unsicherheit umzugehen und schwierige Gespräche zu führen, systematisch in Leadership Development und People Enablement verankern. Dann beginnt die Vorbereitung auf den nächsten Veränderungsprozess nicht erst mit dem nächsten Change Narrativ. Und ein Kompetenzvakuum wird nicht erst sichtbar, wenn es am meisten schadet.
Schwierige Gespräche üben. Ein kurzfristiges Training vor einer schwierigen Ankündigung kann punktuell vorbereiten, aber keine fehlende Erfahrung ersetzen. Gerade in Veränderungen hilft es, heikle Teamgespräche vorab durchzuspielen – möglichst nah am konkreten Anlass. Wie wir solche Formate gestalten, zeigen unsere Workshops, Coachings und Trainings und unsere Beratung zur Führungskräftekommunikation.
Welche Grundsätze Veränderungskommunikation insgesamt tragen, haben wir außerdem in „Change Kommunikation 2026: 5 Prinzipien“ zusammengefasst.
Von einer Sandwichposition spricht man, wenn Führungskräfte im mittleren Management zwischen zwei Ebenen stehen: Sie sollen Entscheidungen der Unternehmensleitung ins Team tragen und gleichzeitig Fragen, Stimmungen und Rückmeldungen nach oben spiegeln. Häufig waren sie an den Entscheidungen selbst nur begrenzt beteiligt. Die Sandwichposition ist deshalb vor allem eine strukturelle Herausforderung – keine Frage persönlicher Stärke oder Schwäche.
Belastend ist vor allem, dass unterschiedliche Erwartungen gleichzeitig aufeinandertreffen: Die Unternehmensleitung erwartet, dass Entscheidungen mitgetragen werden, das Team Offenheit und klare Antworten. Besonders schwierig wird es, wenn Führungskräfte selbst erst spät informiert werden. Dann sollen sie Orientierung geben, obwohl ihnen dafür noch wichtige Informationen fehlen. Dass vielen dabei Rückhalt fehlt, zeigt auch Gallup: Nur 27 Prozent der Führungskräfte in Deutschland fühlen sich in ihrer Rolle ausreichend unterstützt und gefördert.
Sie müssen nicht so tun, als fänden Sie jede Entscheidung richtig. Wichtig ist, die eigene Haltung von der Führungsaufgabe zu trennen: Erklären Sie die Entscheidung sachlich, machen Sie ihre Gründe nachvollziehbar und benennen Sie offen, was daran für das Team schwierig ist. Ihre eigenen Einwände sollten Sie dort adressieren, wo die Entscheidung diskutiert oder beeinflusst werden kann – in der Führungsrunde. Im Team hilft vor allem eine klare und glaubwürdige Haltung.
Die Geschäftsführung kann viel dazu beitragen, den Druck auf das mittlere Management zu verringern. Dazu gehören ein echter Informationsvorsprung, Antworten auf absehbare kritische Fragen und ein verlässlicher Rückkanal. Ebenso wichtig ist Klarheit darüber, was Führungskräfte selbst entscheiden dürfen und wo ihre Grenzen liegen. Die Sandwichposition verschwindet dadurch nicht – sie wird aber deutlich besser handhabbar.
Ja. Sie verschwindet nicht, sondern verlagert sich. Wenn Hierarchieebenen wegfallen, übernehmen häufig Team- oder Projektleitungen die Vermittlung zwischen Unternehmensleitung und Mitarbeitenden – teilweise ohne formale Führungsrolle. Gleichzeitig werden Teams oft größer und Abstimmungswege komplexer. Gute Kommunikation wird dadurch nicht weniger wichtig, sondern eher anspruchsvoller.
Die Sandwichposition ist strukturell, nicht persönlich. Wer sie vor allem als Schwäche einzelner Führungskräfte betrachtet, übersieht die eigentlichen Ursachen in Rollen, Prozessen und Informationswegen.
Ein Informationsvorsprung ist entscheidend. Wer eine Veränderung gleichzeitig mit dem eigenen Team erfährt, kann Fragen kaum auffangen oder Orientierung geben.
Eine Entscheidung vertreten heißt nicht, sie zur eigenen zu machen. Führungskräfte können die Gründe nachvollziehbar erklären und zugleich offen benennen, was daran für das Team schwierig ist.
Ein Rückkanal braucht Antworten. Fragen zu sammeln reicht nicht. Erst wenn sichtbar wird, was damit geschieht und welche Antworten zurückkommen, entsteht echter Dialog.
Selbstführung ersetzt keine guten Strukturen. Persönliche Stärke hilft im Umgang mit Druck. Unklare Rollen, widersprüchliche Erwartungen und schlechte Prozesse kann sie aber nicht dauerhaft ausgleichen.
Im mittleren Management zeigt sich, ob eine Strategie im Alltag ankommt. Dafür brauchen Führungskräfte weniger Appelle als gute Voraussetzungen: entsprechende Kompetenz und Skills, einen echten Informationsvorsprung, Antworten auf schwierige Fragen, klare Entscheidungsspielräume und einen verlässlichen Weg für Rückmeldungen nach oben.
Wo das gelingt, werden Veränderungen nicht automatisch einfacher. Aber Führungskräfte können klarer kommunizieren, Teams besser orientieren und Entscheidungen glaubwürdiger vertreten. Genau das macht in Veränderungsprozessen einen spürbaren Unterschied.
Wenn Sie Ihr mittleres Management in der Strategie- oder Change Kommunikation wirksamer einbinden möchten, sprechen Sie uns an. Wir zeigen Ihnen gerne, welche Strukturen, Formate und Werkzeuge dafür in Ihrem Unternehmen sinnvoll sind.
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Bildnachweis: KI-generiert (ChatGPT Images).
Inhaberin und Geschäftsführerin consense communications GmbH Nina Angermann ist Inhaberin und Geschäftsführerin der PR-Agentur consense communications GmbH (GPRA) in München. Seit 15 Jahren berät sie mittelständische Unternehmen und Konzerne in der Unternehmens-, Change- und Leadership-Kommunikation, mit besonderer Expertise in interkultureller Kommunikation. Zu ihren beruflichen Stationen zählen die Wirtschaftsförderung Berlin Partner – die Berliner Agentur für Elektromobilität (eMO) – sowie die adidas Group. Sie ist zertifizierte systemische Coachin (Helm-Stierlin-Institut, Heidelberg) und Organisationsentwicklerin.